Page - 282 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
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je nachdem weiches oder hartes Stabeisen oder Stahl erzeugt wer-
den soll.
Man unterscheidet wesentlich zwei verschiedene gleichsam Ge-
gensähe bildende Modificationen des Ganges der Arbeit im Frisch-
herdc, nämlich den gaaren und den rohen Gang. Gaargang
^nennt man jenen Verlauf des Frischprozesses, bei dem das einge-
schmolzene Roheisen sehr schnell verkocht, sich bald zu einer zusam-
menhängenden Eiscnmassc vereinigt, und dabei sich eine eisenreiche
gaare Frischschlacke eingestellt hat. Rohgang dagegen nennt man
jenes Fortschreiten der Frischarbeit, wenn die eingeschmolzene Masse
nicht gaaren, nicht verkochen, nicht frischen, das ist nickt zu einer
zusammenhängenden geschmeidigen Eisenmasse sich vereinigen will,
und dabei stellt sich eine weniger eisenreiche, sogenannte rohe Frisch-
schlacke ein. Ob sich Gaargang oder Rohgang einstellt, wird haupt-
sächlich durch den Kchlcngehalt der niedcrgcschmclzencn Eiscntheile
bcstimnn; je weniger dieser beträgt, desto gaarer ist der Gang, und
umgekehrt, je mehr davon noch vorhanden ist, desto roher ist der
Da nun die Abscheidung der Kohle Aufgabe des Frischprozes-
ses ist, so erscheint zunächst der Gaargang als der gewünschte. Allein
außer der Kohle sind noch mehrere andere fremde Vestandtheile des
Roheisens abzuscheiden; je mehr also von diesen vorhanden und je
schwieliger deren Abschcidung ist, desto mchr musi cin zu gaarer
Gang vermieden werden. Aeberdies muß man bei absichtlicher Er-
zeugung der härtern Stabeisensorten odcr dcs Nohstahlcs einen ge-
wissen Antheil von Kohle zurückbehalten; und endlich ist ein zu gaa-
rer Gang selbst bei den reinsten Rcheiscnsortcn, und bei Erzeugung
des weichsten Stabcisens durch den großcn Verlust an Eisen, wcl-
ches dabei in die Schlacke geht, wie durch das hierbei gebildete un-
gleichartige nicht gehörig vertheilte Schmelzgut jedenfalls nacktheilig.
Daß im Gegentheile ein zu roher Gang vermieden werden soll, be-
darf nach dem Vorausgeschickten keiner weitern Erklärung. Ebenso
ergibt sich von selbst aus dem allmähligen Abnehmen des Kohlen^s«
Haltes durch den Fortgang des Frisckprozesscs, daß der Gang des-
selben anfangs ein mehr roher, gegen das Ende aber ein mehr
gaarer sevn mnsi.
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen