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Wir ersehen schon aus diesen kurzen Erörterungen über Gaar-
gang und Nohgang, daß es bei jeder Frischarbeit darauf ankommen
wird, den Vorgang des Prozesses im Frischhcrde für jeden einzeln
ncn Fall entsprechend zu reguliren, stets den passenden Mittelweg
zwischen einem zu rohen und einem zu gaaren Gange einzuhalten.
Die Mittel zu dieser Regulirung bestehen: 2) in der Wahl des Roh-
eisens, so ferne nämlich eine Wahl getroffen werden kann, was auf
unsern Hammerwerken innerhalb gewisser Gränzen meistens der Fall
ist; d) in der Herdstellung und Windführung; c) in den Zuschlä-
gen, Zusätzen, welche nebst dem Roheisen cingeschmolzcn werden,
und <I) in dem Arbeitsverfahren selbst. Bezüglich der Wahl des
Roheisens ist die nöthige Anleitung in den vorausgeschickten Erir-
terungen über die verschiedenen Arten des Roheisens enthalten, und
wir werden darüber bei Betrachtung der einzelnen Frischmethoden
speciell zu sprechen kommen; ingleichen werden wir bei den einzel-
nen Frischmethodcn kennen lerne», wie durch ein verschiedenes Ar-
beitsverfahren eine Regulirung bezweckt wird. Hier soll zunächst von
dem Einflüsse der Herdzustellung und Windführung und dann von
jenem der Zuschläge gehandelt werden. Bevor wir zu diesen Be-
trachtungen übergehen, müssen wir zur bessern Verständlichkeit noch
einige Unterschiede im Gange des Frischprozesses näher bestimmen,
welche mit Rohgang und Gaargang nicht verwechselt werden dürfen,
wie das öfters geschehen ist und noch geschieht.
Außer Gaargang und Rohgang kann man noch unterscheiden
den hitzigen, den kalten, den trockenen und den schlacki-
gen Gang. Obgleich schon die Benennung unmittelbar anzeigt, was
unter diesen vier Modifikationen des Feucrgangeö zu verstehen ist,
wollen wir dcch auf eine nähere Bestimmung derselben eingehen.
Damit der Frischpro^si gehörig vor sich gehen kann, ist eine
gewisse Temperatur erforderlich, welche in den verschiedenen Perioden
des Prozesses von verschiedener, im Allgemeinen von um so grö»
ßerer Höhe seyn muß, je weiter das Schmelzgut in der Gaare fort-
geschritten ist. Ein zu hitziger Gang, bei dem also die Tempe^
ratur im Herde zu groß ist, versetzt die Masse in einen zu flüssigen
Zustand, entzieht sie dadurch, falls nicht Gegenmittel angewendet
werden, mehr der gaarenden Wirkung des Windes und der Zuschläge,
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen