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den aus einer feuerfesten Masse, aus Quarzsand, feuerfesten Zie-
geln u. dgl. bestehet, wie das bei den englischen Raffinir - Herden
der Fall ist, wobei die größte Formneigung von 30 und mehr
Graden getroffen wird. Aber auch dann wird eine beträchtliche Form-
nelgung zulässig seyn, wenn daö Roheisen sogleich gan niedergeschmel-
zen, nicht mehr aufgebrochen wird, weil hierbei die erst gebildete
Sohle »on sehr gaarem Frischeisen gleichfalls eine strengftüssige
"Unterlage bildet; dabei muß jedoch im Veginn des Prozesses, bis
dieser Frischboden von gaarem Eisen in genügender Stärke gebil-
det worden ist, mit einem schwächern Winde geblasen werden, da-
mit die Hitze nicht zu sehr nach dem Voden wirken, und den noch
schwachen Boden nicht zum Weichen bringen, noch weniger ganz
durchbrechen kann. Das letztere findet bei den meisten unserer Frisch-
prozesse mit weißem Roheisen, namentlich bei der Schwallarbeit
Statt, wo ei» sehr gaares, weiches Eisen erzeugt wird, und der
Schwallboden selbst zur schnellern Vildung eines gaaren, starten
Frischbodens beiträgt; man findet bei den Schwallfeuern eine Form-
neigung von 25 bis ,M Grad. Soll aber beim Gebrauche eines
gußeisernen Frischbodens ein ftacher Herd und eine ziemlich starke
Formneigung in Anwendung kommen, wie dies bei sehr tohlenrei«
chem, rehschmclUgen Roheisen nöthig wird, so muß unter dem Vo-
den eine Kühlvorrichtung mit Luft oder W.affu gejioffen werden,
von welcher im §. 7? gehandelt wurde. ül^-,» »,,,,
Durch ein der Formmündung ertheiltes Nebermaul wird der
Wind im Herde mehr nach abwärts zerstreut, und dadurch ähnlich
wie in den beiden vorhergehenden Fällen die Wirkung des Windes
auf das bereits »ingeschmolzene Eisen vermehrt, dies«s mehr gegaatt
und zugleich mehr erhitzt wilden. Die meiste Uebereinstimmung
muß dle Wirkung einos Ucbermaules mit der einer stark geneigten
Form haben, sich ab«r doch in so ferne davon unterscheid««, daß ersteres
b«i gleicher Neigung des Formraxdes den Voden wenige» erhitzt,
weil der Wind dabei mehr zerstreut wird. Wird das elnzuschmelzende
Roheisen in einer bestimmten Lage über der Form erhalten, so muß
bei «inem Uebermaul und noch mehr bei einer beträchtlichen Form-
neigung auch dadurch ein größerer Gaargang erreicht werden, laß
ein langsameres OinschmeUe» Statt findet. Durch eine Neigung
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen