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soll man bei eisernen Herdwänden die ganze Breite des Herdes mög-
lichst klein machen, und dann muß das Eßeisen in die Mitte gelegt
werden, weil jede Abweichung hiervon nur nachtheilig seyn könnte.
Eine überstüssige Herdbceite würde hierbei nachthcilig auf den Koh-
lenverbrand und auf den Gang des Feuers wirken, weil in letzte-
rer Beziehung die entfernter» Theile des Schmelzgutes an der Ar-
beitseite wie an der Hinterscite mehr roh bleiben müssen. Gut ge-
baute Schwallfeuer sind an der Formseite 18 bis 19 Zoll breit,
tuid das Formmittel steht von beiden Seiten 9 bis 9 V, Zoll ab.
2>en Stahlfcuern muß um 3 bis 4 Zoll mehr Vreite ertheilt wer-
den, weil sich das rohere Schmelzgut im Herde mehr ausbreitet,
Häher die Abbränder angreifen, oder mindestens sich sehr fest ein-
tlemmen und dadurch das Ausbrechcn erschweren würde; aber auch
bei dieser größer« Vreite kommt das Gßeisen in die Mitte derselben
zu liegen. Mit der Entfernung des Gßcisens von der Wolfscite
steht in Rücksicht auf den Feuergang in engem Zusammenhang die
Richtung der Fermachse, so wie die Ertheilung eines Hinier- oder
Vorder-Maules ; denn offenbar muß hierdurch der Wind mit seiner
Wirkung ebenfalls mehr nach der vordern oder hintern Seite geleitet
«erden. Eine Wendung des Eßeisenrüssels nach der Hinterseite oder
ein Vordermaul desselben wird nie angewandt, wohl aber bisweilen
eine Wendung nach der Vorderseite, oder an dessen Stelle ein Hin-
termaul. Dabei liegt die Ansicht zu Grunde, daß es vortheilhaftcr
seyn müsse, die Wirkung des Windes mehr nach der Arbeitseite
zu leiten, weil von dort die zu erhitzenden oder cinzuschmelzenden
Massen in den Herd gebracht werden; zugleich will man dadurch
ein erleichtertes Abstießen der Schlacke bezwecken, wenn ein Theil der-
selben abgestochen werden soll. Allein in ersterer Veziehung ist die
Ansicht unrichtig, weil man bei der Arbeit die dem Winde auszuse-
hende« Massen nach der Richtung deS Windes, nicht aber letztere
nach der Stelle, wohin da« von dem Winde zu behandelnde Eisen
gelegt wird, lichten soll; in letzterer Hinsicht aber ist diese Abwei-
chung von dtt mittlern Richtung nicht nothwendig. Man soll daher von
der mittlern Richtung entweder gar nicht, oder doch nur wenig ab-
weichen, bei welcher die Wirkung des Windes über die Herdftäche gleich-
mäßig vertheilt, und diese zugleich am kleinsten gemacht werden kann.
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen