Page - 325 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
Image of the Page - 325 -
Text of the Page - 325 -
— 325 -
fallt. Gut ist es auch, wenn man bei einer schon nahe vollende-
ten Hitze mit den Händen an den Zangenschaftcn ein sachtes Rüt-
ttln unterhält, damit die Kohlen immer gleichförmig nicderrollen,
sich nicht verspannen, und dadurch dem Winde den freien Zutritt
zur Hitze nie gestatten. Bemerkt man aber ein Sengen der Hitze,
was sich schon im Feuer durch die aufsteigenden strahlenden Fun-
ken beurkundet, so muß dieses dadurch behoben werden, daß man
die Hitze im Herde zu Vodcn läßt, und einigemale im Schlackcn-
bade umwendet, und bei obwaltendem Mangel an Schlacke im Herde
gerade über der sengenden Hitze etwas Weich auf die Kohlen streut.
Wenn man eine im geringen Maße sengende, übrigens aber gute
Hitze nicht wieder ins Feuer zurückbringen will, so stößt man selbe
in den vorralhigen Wcichhaufen, und dreht sie darin etliche Mahle
um. Ucberhaupt muß hier jedoch bemerkt werden, daß das Hitz-
heizen vor allen andern Arbeiten von solcher Natur ist, daß selbes
nicht durch Beschreibungen, sondern nur durch die wirkliche Arbeit
vor lem Feuer gelehrt werden muß, so wie auch das Aussehen
einer guten Hitze nur durch Betrachtung in der Wirklichkeit kenne»
gelernt werden kann. Durch beständig sengende Hitzen wird dieses
Uebel endlich selbst dem Schweiß- oder Frischboden mitgetheilt, wel-
cher dadurch besonders im Anfange des Aushcizprozesscs leicht zu
Grunde gerichtet werden kann, und gegen das Ende des Aushei-
zens seinen ganzen verderblichen Einfluß auf den nachfolgenden Frisch-
prozeß geltend macht. Daher kommt die früher angefühlte Regel,
daß überhaupt die ersten und letzten Hitzen gut seyn sollen; in
der mittleren Periode ist der Frischboden nicht mehr sehr empfind-
lich, und das Uebel kann durch die folgenden Hitzen wieder leicht
gehoben werden.
Während der Massel mit der ersten Hitze unter dem Hammer
zu einem Kolben ausgeschmiedet wird, rückt man den über der Form
gelegenen Massel an die Stelle des ersten vor die Form, und bringt
ihn in gleicher Weise wie den ersten zur Schweißhitze. Der unter
dem Hammer vollendete Kolben wird mit einer Kolbenzange gefaßt,
oder bei länger ausgeschmiedetem Kolbcnstabc der fertige Theil im
Wasser abgekühlt, sofort über der Form am frühern Platze des
zweiten Massels wieder ins Feuer gebracht. Während der zweite
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen