Page - 336 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
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höhere Temperatur versetzt, in welcher das auf ihr niederträufelnde
Eisen, während es unter gelindem Auftochen zur völligen Gaare ge-
langt, längere Zeit in einem mehr oder weniger flüssigen Zustande
erhalten wird, bis die untern Lagen desselben «»starren, während
von oben aber immer neue Parthien niedersch»>el;en. Dieses flüssige
Eisen führt den Namen Dünneisen, und ist im Grunde nichts
anders, als der klebrige Zustand eines guten Schweißbodens, von
dem früher die Rede war, aber in einem erhöhten Grade.
Die Entstehung des Dünneisens ist demnach gern gesehen, und
pflegt desto eher und in einer desto größer« Menge einzutreten, je
gaarer der Gang ist; gegen Ende des Zerrennens, wo der Vode»
d« Form schon sehr nahe kömmt, und eine Mulde vor derselben
bildet, findet eS sich oft in Menge ein. Aber nicht alles Dünncisen
ist von gleich gaarer Beschaffenheit, wie man sich durch nähere Un«
tersuchung desselben leicht überzeugen kann. Fährt man mit dem
Näumeisen durch die Form auf den Voden, so legt sich das Dünn«
eisen schnell um das kalte Eisen desselben (man darf daher nicht
lange mit dem Räumeiscn am Voden verweilen, um nicht eine zu
starke Velegung von Dünneisen aufzufassen, die das Zurückziehen
desselben hindern, oder den Spieß abbrennen könnte) und nach dem
Zurückziehen erscheint diese Velegung als schweißend heißes Eisen
mit mehr oder minder glatter Oberfläche und blendend heller Farbe,
je nachdem es mehr oder weniger gaar ist. Noch bestimmter tritt
der Unterschied der Gaare beim Hämmern dieser Velcgung auf, wo-
bei das rohe oder wilde Dünneiscn bald anbricht, und folglich
leicht abfällt, während sich das gaare oder feine Dünncisen ohne
anzubrechen hämmern läßt, und deßhalb schwer vom Spieße herab-
zubringen ist; oder wenn man das belegte Näumeisen sogleich ins
Wasser bringt, so schreckt cdcr härtet sich das wilde Dünneisen, springt
dann bei den ersten Hammcrschlägen ab, und zeigt einen roheifeii'
oder stahlartigen Vruch, wogegen das feine Dünneisen im erkalteten
Zustande mit den heftigsten Schlägen kaum loszubringen ist. Es
ist von Wichtigkeit, das wilde und feine Dünneisen wohl zu unter-
scheiden; nur das letztere ist bei Erzeugung eines gut gefrischten Etab-
eisens willkommen, während das erstere, wenn es anhält und in
Menge vorhanden ist, den Voden niederlreiben oder ganz lurchfres-
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen