Page - 337 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
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ftn, ein rohes Durchzerrcnnen herbeiführen müßte. Man kann bei
einiger Aufmerksamkeit übrigens schon in voraus mit vieler Sich«»
hcit »rissen, ob man es mit einem wilden Dünneisen zu thun ha-
ben kann oder nicht; denn bei normalem gutem Gang kommt das
wilde Dünneisen nicht vor ' ) .
Die Zeit der Dünneisenbildung soll bei normalem Gange bald
nach vollendetem Abschneiden beginnen, und ohne Unterbrechung bis
zu Ende des ganzen Prozesses anhalten, dessen letztes Geschäft eben
darin besteht, sämmtliches Dünncisen zu verkochen. Sobald das Dünn-
eiscn sich eingestellt hat, wird ein Vorrücken der Flossengarben, und
falls der Wind vielleicht zur Erzielung eines höhern Votens und der
Dünneisenbildung geschwächt worden ist, ein Verstärken desselben noth-
wendig, worauf der Frischprozcß rasch vorwärts schreitet.— Durch ein zu
rasches Einschmelzen der Flossen verliert sich das feine Dünneisen, in»
dem es vorerst in wildes übergeht, welches den Voden niedertreibt,
wornach dann alle Dünncisenbildung aufyört. Inglcichen verliert sich
das Dünneisen, wenn ein Flossenstück aus der Garbe los wird oder
abspringt, und auf den Vodcn fällt; ereignet sich dies, so muß das
lose Flosscnstück, wo möglich mit Hülfe der kleinen Nennstange und
einer Zange aus dem Feuer geschafft werden, und sollte tas nicht
gelingen, so muß bei geschwächtem Gebläse und unter öftcrem Lüften
mit der Ncnnsiange das Schmelzen dieses losen Stückes verzögert
werden, um einen rohen Durchschuß im Dachel zu vermeiden. Auch
'1 Ueber die Nalur und ssnistehunasolt des Dünneiscns findet man unter den
Huttenleuten verschiedene .'lnnchlen, Einige „ollen darin die niedrigste. noch
Nlchl näher bekannte OlVd»tio,izstuffe des «fiscns sinüen, wai wohl nur we»
lüg Wahrscheinlichkeithat, obgleich be< v<«!<m Ochlaclenschutze sich kein Dünn»
osen lollet. Anüere meinen, dasi zur Hervorl>r<»gung un» ßrhaltung dli
Vun,>e<sen« ein langsames, sehr zaare« unl> <,le<chzr,l,g «oer ,n kurzen Pc-
üoücn wechseln», em schnelles, rotes Omschmelzxi ücr Fl»ssen nothwendig
se», mlem i>>>2 letztere >>» lunuftusligen ijusta»?e auf üe» V»üen gelangt»
und Nch daselbst m<t den qaarc» , iälie,: Iropsen zum d,clf!üss>gen Zustand«
Ici Du»nc,se»S »ermenqt, und endlich zum lest,'» Zustande »crkocht. Ich
wlU »>ese un» andere Hypothcsen u»er diesen Wcgrnstan» dahin gestellt s«yn
lassen, und hoffe im 0d,aen die ungezwungenste, zetreueste Orklocung gcge»
l>en zu haben. Darin stimmen udriaens durch d>« «Frfabrung geleile», All«
»l'ercin, das< die D>m»«isenl>!ldung eine wesentliche Pcschleunigung Vti Frisch-
pro,»sscl! sen, und zur ßrzcuaung e>»es «leichforniig!» Pr»0uctcs viel tcilragt.
»dschon sie nicht absolut nothwendig ist. Das sogenannte Anlaufciscn ist im
nicht« anderes, als am Anläufst«!»,' «ujgesponnenes Dünn«,sen.
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen