Page - 344 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
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Zangenschäften dieser Garbe viele blaue Flämmchci» durch den Lösch-
tranz auf, und zieht man die Zange heraus, so sind an dem glühen-
den Theil irisirende Blumen zu bemerken, die sich würmcrartig nach
allen Richtungen verzweigen; man darf aber diese blauen Flämm-
chen nicht mit jenen verwechseln, die sich nach dem Begießcn des
Löschkranzes, und noch mehr bei einem frisch geschlagenen Löschkrame
in Menge cinfindcn. Die Ursache dieser Erscheinung mag darin
liegen, daß sich Wind und Hitze zu sehr unter der Flosscngarbc
hinausziehen, wodurch eben das zu schnelle Einrenncn der Flosscn
veranlaßt wird, und da der Feuersaft diesen krummen Wegen nicht
folgen kann, beginnt die Garbe in Berührung des getrockneten Losch-
kranzcS zu sengen, wodurch die irisircnden, würmerartigcn Blumen
gebildet werden. Hieraus folgen unmittelbar dic nach dem Grade
des Nebels nach und nach dagegen zu ergreifenden Mittel, nämlich:
Rütteln der Garbe, Zurückziehen der Garbe, Vcgicßcn mit Waffer,
Wcichaufgcben, und Schwächen des Gebläses.
Bezüglich der Stärke des Windes, die in der Wirklichkeit immer
nur nach den Erscheinungen des Feuers beurtheilt wird, kennen
wir hier bemerken, daß man unter der Benennung starker Wind
eine Pressung «on 18 bis 30, durchschnittlich also 24 Zoll Wasser-
säule annehmen kann, obschon bei den Spitzbälgcn in einzelnen
Momenten selbst 36 Zoll getroffen werden; unter schwachem
Winde dagegen ist eine Pressung von 6 bis 12 Zoll Wassersäule
zu verstehen. Den stärksten Wind findet man beim Ausheizen, wenn
cs sich darum handelt, den Boden niedcrzutrcibcn; auch beim Zer-
rennen, besonders in der zweiten Hälfte dieser Periode, wird oft
die ganze Stärke des Windes gegeben, wenn es Aufgabe ist, das
Einschmelzen möglichst zu beschleunigen, was bei der Schwallarbcit
häufiger als bei irgend einer andern Frischmtthcde vorkommt. Gin
ganz vorzügliches Mittel in dieser Beziehung ist der erhitzte Wind,
und da er außerdem beim Ausheizen recht eigentlich an seinem Platze
ist, so stellt er sich für die Schwallarbeit besonders empfchlenswerth dar.
Eine aufmerksame Beobachtung der Frisch» esullatc zeigt hinsichtlich
der Stärke des Windes, daß bei durchschnittlicher Arbeit mit starkem
Winde die Arbeit befördert, und der Kohlenverbrand vermindert, da-
gegen der Calo etwas erhöht wird, was auch ganz mit der Theorie
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen