Page - 383 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
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nöthig» Quantum Lösche aus der umliegenden genommen, am Herd-
bodcn «ertheilt und festgcschlagcn; dann nach tcn Seiten etwas
hineingezogen und weiter wie früher erörtert fortgefahren. Die
ganze Vorbereitung des Herdes dauert nahe an 15 Minuten, und
wenigstens eben so lange währt auch das Schreiten und Drücken
des Deutes. Wir sehen also, daß man in Kärnten vom Wässern
des Frischfcuers beim Zurichten desselben keinen Gebrauch macht.
Es kann übrigens nicht befremden, wenn man hie und da, von
den stcirischen und österreichischen Arbeitern entlehnt, eine theilweise
Anwendung tavon trifft.
ß. IV7 Bei der kärntnerischen Loscharbeit wird der Deul
nur in zwei Masseln geschrotten (siehe §. l08), die zwar nicht sehr
dick, dafür aber sehr lang sind. Veide sind Nanftmassel. Veim Aue-
heizen derselben hat man immer ziemlich viel Saft im Feuer, indem
zu der beim Zurichten des Feuers am Voden eingebetteten Weich
nicht selten eine beträchtliche Parthie der noch glühenden Stockwcich
auf die Kohlen geworfen, und während des Ausheizprozcsses fast vor
jeder Hitze etwas fein gepochte Weich über dieselbe gestreut wird.
Ncberhaupt wird bei der kärntnerischen Loscharbeit in der Negel nur
Wcicheisen erzeugt, daher nothwendig sehr gut ausgeheizt, wie mit
Ausnahme der Schwallarbeit selten bei einer andern Frischmethode
zu sehen ist. Man erzeugt in der Regel auch, wie bei der Schwall-
arbeit, nur Nagel- und Draht - Wallas, und die Zaggel für die
Strcckhämmcr müssen gleichfalls vollkommen ganz seyn, weil in Kärn-
ten bloß mit Glühhitzen gestreckt wird. Jeder Massel wird deßhalb
«ortlst in mehrere, meist in sechs kleine Kolben geschmiedet, und diese
dann in Einer Hitze fertig geschmiedet. Der Vorgang hierbei ist
folgender:
Die erste Hitze erhält jeder Massel m ungefähr Vi, seiner Länge.
Mit dieser Hitze wird er an der mittlern Stelle derselben zu einer
bei 1'/« 3°ll starten und gegen 1'/« Fuß langen Welle, von der
bei Wallasstangcn üblichen Schmielung, ausgereckt; diese in der
Mitte durchhauen, gibt tcn einen Schopfkolbcn, und dann wird noch
vom glühenden Ende des Massels der zweite Kolben abgesetzt. Beide
Kolben wie der um '/^ kürzer gewordene Massel kommen sogleich
ins Feuer zurück. Zunächst werden die beiden Kolben nach einander
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen