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Mmliche Vehandlung des Schwallbodens §. 88 nicht gehörig be-
achtet hat. Man hat die bequemcn breiten Herde beibehalten, tonnte
dcm beständigen Zcrtrciben des SchwallboVens nicht anders als durch
flachere Formlaze begegnen, und hat den Zerrennprozeß nicht früher
als nach beendetem Ausheizcn begonnen. Dadurch hat man die Vor-
theile des Schnallbodens alle aufgegeben, und nur die Gefahr des
weichen Durch.crrennens mehr oder weniger beibehalten, wodurch
«hne allem Nutzen ein größerer Calo herbeigeführt wurde.
Ferner Hit man unsers Wissens nur auf Einem Werke an»
gefangen, das Ginschmelzen der Vlattelpackcte nach steirischer Art
aus der Zange vorzunehmen, und will dabei Vortheile finden, öb-
schon die dünnern, schwachen Vlattel und deren großer Pack dazu
nicht recht geeignet sind.
Weilers tat man auf mehreren Hämmern das Braten der
Vlattcl in den Vorglühhcrden der Zerrcnnfeuer vorgenommen, und sie
gleich aus diesen im glühenden Zustande in den Frischherd herab-
gezogen. Dabei zeigte sich jedoch ein theilwcise kaum zu bezwingen-
der Nohgang, und in Folge dcsscn cin schr ungleich gefrischtes, stel-
lenweise rohbrüchiges Eisen, weßhalb man davon wieder allerwärts
abgegangen ist. Man hat zur Abhülfe dieses Uebelstandes zwei ver-
schiedene Answ'ge ergriffen. In Miß l ing hat man das Vraten,
nie sonst üblicl, auf eigenen Vratherden vorgenommen, die ge^
bratencn Vlattcl aber zuerst im Vorglühhcrde angewärmt und im
glühenden Zustande i» den Frischhcrd gebracht, wodurch der Roh«
gang größtcnlhcils gchobcn, und der Zerrennprozeß doch etwas ab-
gekürzt »uurde. In Miß dagegen hat man das Braten im Vorglüh-
herde beibehalten, die gebratenen Vlattcl aber aus dcm Vorglühhcrde
beseitigt, erkalten lassen, und dann wie nach gewöhnlicher Mclhode
gebratene Vlattcl vcrfrischt. Auch dadurch hat man dem Nohgange
etwas gesteuert und dabei noch Vortheile gegen das gewöhnliche Ver-
fahren gefunden. In Mißling hat sonder Zweifel das bessere Vraten
geholfen, was im Vorglühherde theils aus Mangel der richtigen
Temperatur, theils ob der zu kurzen Zeit nicht gehörig ausgeführt
wurde, wie das Aussehen der gebratenen Blattel deutlich genug be-
wies. In Miß dagegen half das mehr geordnete Zusammenlegen
der Vlattelpackcte im kalten Zustande, wodurch das unregelmäßige,
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Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen