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Graueisen, Renner genannt, findet, weil man als Vrater in der
Regel einen der gemeinsten Arbeiter verwendet, von dem der ganze
Prozeß ohne viele Ucberlegung rein mechanisch betrieben wird.
Am das Braten der Vlattcl zweckdienlich vollbringen zu kön-
nen, ist vor Allem eine Sortirung derselben nach der Dicke noth-
wendig. Dünne Blattel tonnen rascher gebraten weiden, dickere
brauchen jedenfalls längere Zeit, durch welche die dünnen völlig in
Glühspan verwandelt werten. Ueber '/« Z°ll dicke Blattel gehörig
durchzubraten ist überhaupt schwer, weil hierbei die Hitze immer
mäßiger und mäßiger werden soll, um das Ausschmelzen des rohen
Kernes zu verhüten, was jedoch seine Schwierigkeiten hat, da im-
mer mehr und mehr Brennmaterial zur Entzündung gelangt, und
die dickern Vlattcl schon beim Anlegen des Bratens mit etwas mehr
Brennmaterial umgeben werden müssen, als die dünnern. Mit der
bloßen Verminderung der Windmcnge im Lufltanal langt man hier-
bei nicht gut aus, sondern man soll schon beim Ansetzen des Vra<
tens um so kleinere Vraschen und mehr Lösche nehmen, je dicker
die Vlattel sind, wodurch bei gleicher Windmenge ein anhaltende-
res aber schwächeres Glühen erfolgt. Uebrigens versteht es sich von
selbst, daß bei sonst gleichen Umständen ein um so vollendeteres
Braten erforderlich ist, ein je weicheres Stabeisen man darzustellen
beabsichtiget, und daß es unter allen Umstanden schlecht ist, wenn
so gebraten wurde, daß einerseits die Vlattel start zusammengeba-
cken sind und anderseits viel Roheisen ausgesaigcrt worden ist.
Tlm sich von dem Ausfall eines Bratens genaue Kenntniß zu
verschaffen, ohne der man nie Meister des Prozesses wird, soll stets
»ine nähere Untersuchung der gebratenen Vlattel vorgenommen
werden. Zu dem Ende muß man lic Vlattcl mit verschiedenem
Acußcrn und aus den verschiedenen Theilen des Haufens mit einem
Hammer zerschlagen. Schon der Ton beim Anschlagen und die klei-
nere oder größere Schwierigkeit des Zerschlagcns geben einigen Auf-
schluß, noch mehr aber das Auösehen der Vruchfiäche. Ein heller
Klang unH leichtes Zerschlagen, ähnlich wie bei den rohen Vlatteln,
wird stets mit einer nur wenig veränderten Vruchstäche verbunden
seyn, und beweist, daß solche Stücke kaum ordentlich lurchgeglüht,
neck fast »roh sind. Ein matter oder dumpfer Klang, etwas Zähig-
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen