Page - 427 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
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Gaargang oder Kaltgang wirkenden Mittel zu vermeiden trachtet,
und was in der Regel um sc leichter gelingt, da meist gleichzeitig mit
dem Einschmelzen das Ausheilen der Schirbcl von der vorigen Luppe
geschieht; befindet es sich aber dennoch in flüssigem Zustande, so muß
man sich mit dem Nachblasen bei schwachem Windstrome und durch
Abkühlen mit Wasser, oder mit Ginrühren kalter gaarer Zuschläge
behelfen. Anderseits soll das Eisen nach vollbrachtem Einschmelzen
aber auch nicht zu einem einzigen Klumpen verkocht oder erstarrt
seyn, obsckon dieses zur Bequemlichkeit der Arbeiter auf manchen
Hütten absichtlich herbeigeführt wird, oder bei Anwendung schon ziem-
lich gaaren Roheisens füglich nicht zu vermeiden ist. Am liebsten
hat man in dieser Periode einen solchen Zustand des Eisens, in
welchem ei sich beim Aufbrechen mit der Brechstange in mehrere
Brocken zertheilt. Je nach ihrer Lage im Herde haben diese aufgcbrochc»
nen Vrocken einen verschiedenen Grad der Gaare erlangt, nack wel-
chem sie dergestalt sortirt werden, daß die gaaren über die Form,
die rohen aber vor den Wind geschafft und sogleich nochmals nieder-
geschmolzen werden, was dann das zweite Roheinschmelzen,
«nd das diesem vorausgegangene Aufbrechen des Eisens das erste
Roh aufbrechen genannt wird. Oft wird alles Aufgebrochene zuu»
zweiten Male eingeschmolzen, ja bisweilen mit diesem ein zweites
Nohaufbrechen vorgenommen, um es dann zum dritten Male roh-
einzuschmelzcn. Endlich aber wird die ganze aufgebrochene Masse die
hinlängliche Gaare erlangt haben, welches letzte Aufbrechen das
Gaaraufbrcchen heißt, und in diesem Zustande nur Einen oder
doch nur wenige Brocken bilden, worauf es sodann zur kuppe nie-
dergeschmol;en wird, welches man das Gaare in schmelzen «der
kuppen machen nennt. Beim Gaareinschmcljen tritt jedoch auch
noch der Unterschied ein, daß man auf manchen Hütten einen Theil
des niederschmelzenden gaaren Eisens auf dem sogenannten An-
laufstab sammelt und von Zeit zu Zeit ausschmiedet, was A n-
laufnehm en genannt wird, oder das selbst schon unter der Form
gesammelte oder seitwärts gelegene Gaarproduct periolisch heraus-
reißt und an den schweißenden Anlaufstab klebt und nach wieder-
holten Hitzen ausschmieret, was mit dem Namen: der gezwun-
gene Anlauf oder das Juden frischen belegt worden ist.
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen