Page - 440 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
Image of the Page - 440 -
Text of the Page - 440 -
— 440 —
Nohsohlen zum Vorscheine kommen; denn diese kann man nicht zu«
nächst wieder zum Einschmelzen bringen, weil dann durch längere
Zeit hindurch rohflüssiges Eisen zu Boden gehet, und man das
angeführte Durchrühren mit der Stange nicht so lange fortsetzen
kann, sondern endlich zur Bildung dcr Schlackensohle für das Nach-
schmelzen des übrigen Eisens schreiten muß. Man ist daher geno-
thiget, derlei Rohsohlen zu oberst der aufgebrochenen Masse zu schaf-
fen, wodurch man sich aber leider dem Uebelstande aussetzt, daß
dieses rohere Eisen erst später mit dem gaareren, und inzwischen
noch gaarer gewordenen Eisen nicderschmilzt, was der gleichartigen
Beschaffenheit des Eisens Eintrag machen muß. Je weniger Eisen
man zu einer Luppe einschmelzt, desto leichter ist übrigens die ganz«
Arbeit, desto eher wird man bei gleicher Geschicklichteit der Arbei-
ter ein gleichförmig gutes Stabeisen erwarten können. Aus diesem
Grunde soll man bei erst vorzunehmendem Einüben tcr Arbeiter für
die Klcinfrischerei mit kleinern Roheiseneinsätzen beginnen, und nur
in dem Maße als die Leute dafür geübter werden, mit der Roh»
eisenmenge steigen, obgleich die Resultate bei größern Einsätzen, un-
ter sonst gleichen Verhältnissen, bezüglich der Erzeugungsmenge wie
hinsichtlich der Große des Kohlen- und Eisenverbranles günstiger
ausfallen. Und aus derselben Ursache begnügt man sich mit gerin-
gern Noheiseneinsätzcn von 130 bis 150 Pfund, wenn man, wie
z. V. bei dcr Drahteisenerzeugung, hauptsächlich auf gute Qualität
sehen muß.
Wenn nun nach vollbrachtem Aufbrechen, ohne daß noch flüs-
siges Roheisen vorhanden ist, dcr Hcrdboden zuerst wieder mit einer
Schlackenkruste belegt, und diese von der nachfolgenden flüssigen
Schlacke überdeckt ist, so tritt bei dem nachschmelzenden Eisen wie-
der der geordnete Verlauf des Frischprozesscs ein. Dabei bildet sich
von dem gaarern, mehr dickflüssig niedergehenden Eisen vor der
Form gern eine Schale, in welcher sich die flüssige Schlacke sammelt,
und von dem Winde in großen weißen Tropfen vor der Form in
die Höhe getrieben wird. In diesem Zustande kann die Schlacke
nicht mehr gehörig auf das Eisen wirken, und die Theile über der
Form sind einem zu starken Abbrande ausgesetzt. Sobald deßhalb
diese Erscheinung eintritt, muß zu einem neue» Aufbrechen geschrit-
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen