Page - 486 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
Image of the Page - 486 -
Text of the Page - 486 -
— 486 —
Deul in die entsprechende Hitze zu bringen, in welcher er auf dem
einen Ende zu einem bei 3 Zoll starken, quadratischen Zapfen, die
Greife oder Prcsa genannt, ausgeschmiedet werden kann. Dieses Fort-
schaffen der unreinen Theile lediglich durch die Hitze, d. i. durch
Abschmelzen, bewerkstelligen zu wellen, würde bei diesen großen Stü-
cken (denn ein Deul wiegt 130 bis 200 Pfund) einen unnöthigen
Zeitverlust, und lesonders einen großen Abbrand an gutem Stahle
verursachen, indem vor erfolgtcm Abschmelzen der weichen Räuden
ein ungleich größerer Theil der leichtflüssigeren, guten Stahltheile
abschmelzen würde. Sobald demnach der Deul auf seiner nach unten
gekehrten Riaseite angehende Schweißhitze erlangt hat (waö hierbei
«n dem hellen Lauch und ten feinen Schweißfunken sehr deutlich zu
erkennen ist, und in ungefähr '/^ Stund erfolgt), wird derselbe in die
Höhe gehoben, und mit dieser Seile nach oben gewendet, worauf mit
der kleinen, starken Heizfchaufel die erweichten und gelockerten Rau-
ten abgestoßen oder zum Theil mit der Moja abgezwickt weiden, de-
ren eisenschüssige Beschaffenheit sich durch ihr lichteres Aussehen sehr
deutlich zu erkennen gibt. Nach diesem ersten Putzen werden aber
noch viele Räuden zurückbleiben, die erst besser erhitzt werden müssen,
um sie sofort gleichfalls abstoßen zu können. Zu diesem Ende muß
der Deul dann wieder gewendet, in den Kohlen vor der Form nieder-
gelassen, und dabei berücksichtiget werden, daß jene Partien in die
größte Hitze kommen, die geputzt werden sollen.
Auf diese Art und Weise wird das wechselweise Erhitzen und
Putzen mit dem ersten Teul so lange fortgesetzt, bis er in der einen
Hälfte seiner Länge allenthalben mit reiner Oberstäche erscheint ' ) ,
»vorauf cr aus dem Feuer genommen, auf die Vcrsicnalbank gelegt,
mit Armzange (siehe Seite 303) und Spannring gefaßt, mit
Hülfe des Zuges zum Hammer geschafft und sofort zur Greife otcr
Presaausgeschmiedetwird. Vcm Hammer wcg wird dieses Stück, welches
nun selbst mit dem Namen Greife oder Presa bezeichnet wird, einst-
weilen auf der Versionalbant bei Seile gelegt, indem gleich nach dessen
Und, wic schon früher tcmerlt, wenn cr an der rautenloscn Oderfiäche noch
weiche Stellen zeigt, Lie fug!>ch nicht mehr wcggcpuyt werLcn lonncn, s« soll
man lies« weichen Stellen «uf etliche Minuten i» l>er Gauer lassen, was
zur Verkürzung der Arbeit ievoch selten geschieht.
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen