Page - 119 - in Generative Bildarbeit - Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
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119 Übertragen auf Forschungsinteraktionen wird eine Definition von Rekursivität
relevant, die im Diskurs um die Gestaltung transdisziplinärer Forschungspro-
zesse geprägt wurde. So empfiehlt Matthias Bergmann ein rekursives Vorge-
hen in transdisziplinären Projekten, damit jene Menschen, die durch geteilte
Phänomene in einer Forschungssituation miteinander verbunden sind, an
„der Lösung eines Forschungsproblems schrittweise durch wiederholte Anwen-
dung derselben Verfahrensvorschrift“ arbeiten können. Dabei können „sowohl
fachliche Beiträge als auch Beiträge aus der Praxis schrittweise einbezogen,
aufeinander bezogen und angepasst werden, sodass ein integratives Gesamtbild
entsteht.“ (Bergmann et al. 2010: 132–133). Nach Christian Pohl und Gertrude
Hirsch Hadorn handelt es sich dabei um „[…] ein generelles Gestaltungsprinzip
der transdisziplinären Forschung, welches sowohl für den ganzen Forschungs-
prozess als auch für jede der Phasen gilt.“ (Pohl/Hirsch Hadorn 2006: 39).
Douglas Hofstadter (1985) befasst sich mit Formalismen fĂĽr das Unendliche
in verschiedenen Bereichen und Epochen. Er bezieht sich dabei auf die Werke
des Physikers Kurt Gödel, des Grafikers Mauritius Cornelius Escher und des
Komponisten Johann Sebastian Bach. In diesem Zusammenhang definiert er
rekursive Prozesse als „Verschachtelung und Varianten der Verschachtelung“
(1985: 137). Rekursives Vorgehen in der Generativen Bildarbeit lässt sich gut
mit dieser Definition erklären. Bilder und Geschichten schreiben sich hier in
Bestehendes ein, es entstehen Bilder von Bildern — wobei sich der Begriff
der Rekursivität auf die sozialen Interaktionen im Rahmen der fotografischen
Praxis bezieht. Dies lässt sich wie folgt darstellen:
Abb. 30 I — Impuls, F — Fotografieren, BD — Bilddialog, M — Mapping,
T — Themen, B — Bilder, gB — generative Bilder, gT — generative Themen
Generative Bildarbeit, Spiraldarstellung
Mit einem Impuls (I) wird ein Startpunkt im Prozess festgelegt. Je nachdem,
wie offen bzw. wie konkret der Impuls gesetzt wird, werden bestehende
Generative Bildarbeit
Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
- Title
- Generative Bildarbeit
- Subtitle
- Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
- Author
- Vera Brandner
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5008-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 276
- Keywords
- Forschendes Lernen, Fotografische Praxis, Methodik, Generative Bildarbeit, Grenzarbeit, Kulturelle Differenz, Praxeologie, Selbstversuch, Reflexive Grounded Theory, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmungen, Situationalität, Reflexivität
- Category
- Medien