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129 Kosten und Qualität? Als Argumentationsgrundlage bei der Entscheidung
darĂĽber, ob die Teilnehmer_innen analog oder digital fotografieren sollen,
dient oft der Verweis auf die Kosten fĂĽr die Anschaffung geeigneter Kameras.
Dabei ist das Preis-Leistungs-Verhältnis zu beachten. Bei analogen Kameras
muss hauptsächlich auf die gute Qualität der Linse und auf das Filmmaterial
geachtet werden, bei digitalen Kameras hängt die Bildqualität hauptsächlich
von der Linse und dem Sensor ab. Bei Gruppenprozessen, in denen fĂĽr alle
Teilnehmer_innen eine Kamera zur VerfĂĽgung gestellt werden soll, muss die
Frage nach Leistung und Qualität meist mit Blick auf die Anschaffungskosten
gestellt werden. In diesem Bereich sind analoge Kameras nach wie vor gĂĽnsti-
ger und besser im Vergleich zu digitalen Kameras in derselben Preisklasse.
Die Qualität der Linsen ist bei analogen Kameras, wie sie im Second-Hand-
Handel erhältlich sind, meist besser als bei neuen, digitalen Kameras zum sel-
ben Preis. Jedoch wird es, umgekehrt, immer schwieriger gutes Filmmaterial
fĂĽr die analoge Fotografie zu bekommen. Nachdem analoge Kameras und vor
allem passendes Filmmaterial Schritt fĂĽr Schritt vom Markt verschwinden,
erscheint die digitale Fotografie vergleichsweise leichter zugänglich und weni-
ger kostenintensiv.
Mechanisch oder elektronisch? Auch die Frage, womit die Kameras
betrieben werden, kann die Entscheidung fĂĽr analoge oder digitale Foto-
technik stark beeinflussen. Digitale Kameras werden meist mit Batterien oder
Akkus betrieben. Bei der Verwendung von Einwegbatterien kommt es zu
unnötiger Umweltbelastung; für Akkus muss genügend Strom zum Aufladen
vorhanden sein, was in manchen Regionen nach wie vor zum Problem werden
kann. Im Gegensatz dazu können analoge Kameras auch ohne Strom und
Batterien, rein mechanisch, betrieben werden. So sind analoge Kameras vor
allem dann zu bevorzugen, wenn ein Projekt in einer Gegend stattfindet, in
der nicht immer bzw. nur eingeschränkt Strom zum Aufladen von Batterien
oder Akkus zur Verfügung steht. Inzwischen sind jedoch Aufladegeräte mit
Solarzellen verfĂĽgbar.
Entschleunigung oder Bilderflut? Analoge Verfahren nehmen jedenfalls
mehr Zeit in Anspruch als digitale Verfahren. Der Einsatz „alter“ Techniken
kann zu einem didaktischen Element der Entschleunigung werden. Bei analo-
gen Kleinbildkameras werden Filmrollen mit einer gewissen Anzahl an Fotos
(meist 24 oder 36 StĂĽck) verwendet. Die Zahl der Fotos, die mit einem Film
gemacht werden können, ist somit begrenzt, was sich wiederum auf den
Umgang mit Zeit beim Fotografieren auswirkt. Die Entscheidung darĂĽber,
was wichtig ist und wie es in Form eines Fotos gewĂĽrdigt werden soll, wird
bei der analogen Fotografie in der Situation des Fotografierens getroffen.
Das Bewusstsein, dass nur eine begrenzte Anzahl von Fotos gemacht werden
kann, entschleunigt diesen Prozess. Ein Vorteil der analogen Fotografie
besteht dementsprechend darin, dass die Teilnehmer_innen mit analogen
Kameras weniger knipsen und sich beim Fotografieren besser auf den Moment
konzentrieren. Im Gegensatz dazu erlaubt die digitale Fotografie ein unge-
hemmtes Experimentieren, bei dem kaum Ängste bestehen, etwas falsch zu
machen bzw. etwas zu vergeuden. Digitale Kameras sind inzwischen mit
Generative Bildarbeit
Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
- Title
- Generative Bildarbeit
- Subtitle
- Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
- Author
- Vera Brandner
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5008-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 276
- Keywords
- Forschendes Lernen, Fotografische Praxis, Methodik, Generative Bildarbeit, Grenzarbeit, Kulturelle Differenz, Praxeologie, Selbstversuch, Reflexive Grounded Theory, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmungen, Situationalität, Reflexivität
- Category
- Medien