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Generative Bildarbeit - Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
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143 Die Menschen, die an fotografisch-visuellen Prozessen teilnehmen, müssen zuerst über die Inhalte, Ziele und Aktivitäten im Prozess ausreichend infor- miert sein, um in der Folge ihre Zustimmung zu jenen Aspekten abzugeben, die für sie in Ordnung sind. Es ergibt sich oft das Problem, dass Teilnehmer_ innen, obwohl sie über das Projekt informiert waren, nicht wissen, wozu sie ihre Zustimmung geben und was „Zustimmung“ im konkreten Kontext genau bedeutet. Diese Problemstellung kann auf kulturelle Unterschiede und Abhän- gigkeiten zurückgeführt werden. Beispielsweise wird eine Zustimmung in Zusammenhängen mit steilen Hierarchien von den Menschen am unteren Ende der Hierarchie weniger hinterfragt werden als von jenen am oberen Ende bzw. von Menschen, die in flachen Hierarchien leben und arbeiten. Auch die Bedeutung und der Stellenwert von visuellem Material variiert je nach kultu- rellem Kontext. Zustimmung von Menschen vor der Kamera Will man eine Zustimmungs- erklärung von Menschen bekommen, die auf Fotos oder Filmmaterial abge- bildet werden, spricht man vorher am besten mit den jeweiligen Personen. Schwierig wird es bei Aufnahmen von Menschen in größeren Gruppen im öffentlichen Raum. Hier ist es meist nicht möglich, Zustimmungserklärungen von allen Personen einzusammeln. Dazu argumentiert Douglas Harper (2005: 759) pragmatisch, dass Menschen kein Schaden zugefügt werde, wenn sie bei „normalen Tätigkeiten“ gezeigt würden. Es stellt sich jedoch sofort die Frage, welche Tätigkeiten als „normal“ gelten sollen und wer darüber entscheidet, was „normal“ ist (Clark 2012: 20). Die Situation wird noch komplexer, sobald Teilnehmer_innen in einem Projekt selbstständig Bilder machen. Die Projekt- leiter_innen haben dann nicht mehr die Kontrolle darüber, ob von den Men- schen auf den Bildern Zustimmungserklärungen eingeholt wurden und ob diese Menschen über die Inhalte des Projekts und die Verwendung der Bilder ausreichend informiert wurden. Die Teilnehmer_innen können jedenfalls in Workshop-Sessions, in denen es um Sensibilisierung in diesem Bereich geht, auf das Fotografieren von Menschen vorbereitet werden. Zustimmung von Kindern und Jugendlichen Wird in einem Projekt mit minderjährigen Kindern und Jugendlichen gearbeitet, muss bedacht werden, dass deren Eltern oder ein Vormund die Zustimmung für eine Teilnahme bzw. für eine fotografische Abbildung der Kinder erteilen müssen. Bei partizipativen Methoden, bei denen Kinder oder Jugendliche unter Umständen auch in den Privaträumen der Familie fotografieren, sollten die Eltern bzw. die Aufsichts- personen über die Inhalte eines fotografisch-visuellen Projekts bzw. die in seinem Rahmen stattfindenden Aktivitäten informiert werden. Bei Bedarf sollte eingeräumt werden, dass etwa Bilder, die die Privatsphäre der Familie gefährden, am Ende nicht zur Veröffentlichung freigegeben werden (Mitchell 2011: 28; Rose 2012: 332). Speziell für solche Fälle wird empfohlen, die Frage nach der Zustimmung über den gesamten Prozess hinweg immer wieder zu stellen und gegebenenfalls Änderungen vorzunehmen (Rose 2012: 334).
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Generative Bildarbeit Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Title
Generative Bildarbeit
Subtitle
Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Author
Vera Brandner
Publisher
transcript Verlag
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-5008-6
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
276
Keywords
Forschendes Lernen, Fotografische Praxis, Methodik, Generative Bildarbeit, Grenzarbeit, Kulturelle Differenz, Praxeologie, Selbstversuch, Reflexive Grounded Theory, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmungen, Situationalität, Reflexivität
Category
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