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Generative Bildarbeit - Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
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248 im Gegensatz zu Verfahren, in denen Fotografien als Evidenz erzeugende bzw. rein abbildende Medien eingesetzt werden. Dieser Anspruch an die Foto- grafie findet sich nach wie vor besonders dann, wenn Rolle und Funktion der Fotografie sowie der herstellende Charakter in Bezug auf Wirklichkeits- darstellungen nicht reflektiert werden. Das sei, so Abel und Deppner, besonders in den Naturwissenschaften üblich, wenn Fotografie vorrangig als Werkzeug zum Erkenntnisgewinn und als Beweismittel in der Wissenschaftskommuni- kation verwendet wird, ohne dass dabei die Entstehungs- und Verwendungs- zusammenhänge von Fotos kritisch hinterfragt werden (2013: 12). Unordnung und Undiszipliniertheit als grundlegende Eigenschaften fotografischer Ver- fahren, wie sie Barthes (1985) und Mitchell (2003) beschreiben, werden in solchen Zusammenhängen nicht erkannt bzw. anerkannt. In Abgrenzung dazu heben Abel und Deppner den wissenschaftlichen Umgang mit Fotografie in den Sozial- und Geschichtswissenschaften hervor, wo es vor allem darum gehe, die Bedeutung von Fotografie in Hinblick auf alltags- und wissen- schaftskulturelle Transformationsprozesse zu beleuchten. Es wird ein weites Erkenntnisfeld eröffnet, das durch den Fokus auf die Wechselwirkung von fotografisch-visueller Praxis und Theorie und durch einen reflektierten Umgang mit Fotografie, Visualität und Bildlichkeit hervorgebracht wird. Fotografische Bilder werden hier als mehrdimensionale Ereignisse betrachtet und können als undisziplinierte Medien zwischen verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen vermitteln und zugleich erforscht werden (2013: 10). Die undisziplinierte Fotografie kann vor allem auch als Teil von Forschungskonzepten und Metho- dologien nutzbar gemacht werden, wie es zur Beschreibung gesellschaftlicher Phänomene in den Sozialwissenschaften seit den 1970er-Jahren vermehrt der Fall ist. Was sich im Rahmen der multiplen Fallstudie herausgestellt hat, führt jedoch über das Beschreiben sozialer Wirklichkeit mittels Fotografie hinaus. Fotografie kann im Rahmen Generativer Bildarbeit als Lern- und Forschungs- medium für transformative Forschung dienen, es kann Wissenschaft mit, durch und im fotografischen Spannungsfeld betrieben werden. Fotografische Praxis kann als gemeinsamer Denkraum nicht nur zwischen geisteswissen- schaftlicher Fotografieforschung und konzeptionell-gestalterischer Fotopraxis (ebd.: 16) betrachtet werden, sie kann vor allem auch zwischen der kultur- und der naturwissenschaftlichen Forschung das gemeinsame Denken und Han- deln fördern, wenn es (wie bei der Nachhaltigkeits- und der Entwicklungs- forschung) um transformative Forschungsfelder geht. Denn ein gemeinsamer Nenner bzw. eine gemeinsame Herausforderung für Natur- und Kulturwissen- schaftler_innen, die sich in transdisziplinäre Forschungssettings begeben, besteht darin, dass ein integrativer Zugang zum Komplex „Mensch — Gesell- schaft — Natur“ erschlossen werden muss. Der Mensch kann nicht ohne seine Umwelt verstanden werden, ebenso wenig lässt sich Natur losgelöst vom Menschen erforschen und analysieren. Durch den Einsatz von Generativer Bildarbeit kann ein solch integrativer Zugang geschaffen werden, da hier unterschiedliche Objektivierungsweisen und Wissensordnungen mithilfe der performativen Qualitäten fotografischer Abbildungs-, Darstellungs- und Sinnbildungsprozesse sichtbar und verhandelbar werden.
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Generative Bildarbeit Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Title
Generative Bildarbeit
Subtitle
Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Author
Vera Brandner
Publisher
transcript Verlag
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-5008-6
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
276
Keywords
Forschendes Lernen, Fotografische Praxis, Methodik, Generative Bildarbeit, Grenzarbeit, Kulturelle Differenz, Praxeologie, Selbstversuch, Reflexive Grounded Theory, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmungen, Situationalität, Reflexivität
Category
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