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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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indenMittelpunkteineseigenenForschungsunterfangenszustellen,wiees die Trivialliteraturforschung in den 1960er und 1970er Jahren in Form einerSozialgeschichtederLiteraturodereinerLesestoffanalyseunternahm. Thalmann interessierte der Trivialroman einzig und allein als „Vorläufer desromantischenRomanes“:„Wolltemanihnansichbetrachten“,wäreer, wie Thalmann sich ausdrückt, „nur ein trüber Tümpel unterirdisch sich regenderKräfte“. (Thalmann1923, 157) Thalmanns teleologisch ausgerichtete Betrachtungsweise des Trivial- romansaufden romantischenRomanwarvor allemeinUnterfangen,mit demsiedenromantischenRomanandieSpitzedesliteraturgeschichtlichen Epochenkanons zu setzen trachtete: Es ist ohneBerechtigung den klassischenRoman einschränkungslos alsVor- bild und absolute Höhe der Entwicklung anzusehen. Ich lehne daher im RahmendieserArbeitwertendeKlassifikationfürKlassikundRomantik,seies „reif und unreif“, wie K. Joël […] oder „vielseitig und einseitig“ wie Chr. Touaillon[…]estut,28vollständigab.[…]Er[derklassischeRoman,E.G.] ist nur ein Vermittler, ein Bindeglied in der Kette der Entwicklung […]. (Thalmann1923, 172) Als Pionierin der Trivialliteraturforschung kann Thalmann also nicht gelten.29Zwarhat sie1923denBegriff ,Trivialroman‘alsFachterminus in dieWissenschaftsspracheeingeführt30unddiebeachtlicheAnzahlvonüber 150Unterhaltungsromanen einerwissenschaftlichenAnalyse unterzogen, aber ihr Blick auf diese Romane war klar auf deren Bedeutung für die romantische Literatur fokussiert. Thalmanns wissenschaftliches Interesse bezog sich also nicht (wie das vonChristineTouaillon), obwohl dieAuf- nahme des Begriffs ,Trivialroman‘ in denHaupttitel ihrer Arbeit das na- helegt, auf die Erforschung eines vom zeitgenössischenWissenschaftsbe- 28 GemeintsindTouaillon:DerdeutscheFrauenromandes18.Jahrhunderts (1919); Joël:Nietzsche unddieRomantik (1905). 29 In den einschlägigen Literaturlexika wirdThalmann als Begründerin der akade- mischen Trivialliteraturforschung angeführt, vgl. u.a. Kellner: Trivialliteratur (1984), S. 449. 30 Vgl.Greiner:DieEntstehungdermodernenUnterhaltungsliteratur(1964),S.16: „Erst durchMarianne Thalmann ist der Begriff ,Trivialroman‘ zur Bezeichnung dieses gesamten Literaturkomplexes [der Ritter-, Räuber- und Schauerromane, E.G.] eingebürgert worden.“ – Kreuzer: Trivialliteratur als Forschungsproblem (1967), S. 172: „DerAusdruckTrivialliteratur ist seit 1855belegt und seit 1923, seit einer Arbeit Marianne Thalmanns über die Geheimbundromane des 18. Jahrhunderts, terminologischer Besitz der neueren deutschen Literaturge- schichte.“Ähnlich Schulte-Sasse:Trivialliteratur (1984), S. 562. III.Marianne Thalmann (1888–1975)152
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Title
Germanistik in Wien
Subtitle
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Author
Elisabeth Grabenweger
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2016
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
290
Keywords
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Category
Lehrbücher
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