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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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„Zu Stimmungen neig ich, nicht zu Taten“95, werde zumMotto dieses „übersättigtenBürgertums“ (Thalmann 1932, 51–52), das in seiner Be- ziehungs- undMaßstabslosigkeit nichts anderes herbeiführe als das „Zer- reißen von Gemeinschaften“, das „Verwirtschaften von Volkssubstanz“. (Thalmann1932, 47) Das letzteKapitel inThalmanns Studie beschäftigt sichmit der Pro- blemstellung von „Masse und Staat“. In einer Zusammenschau der bis- herigen Erörterungen zur Paarbildung, zumGenerationsbegriff, zur Ju- gend, zumGotterlebnis, zum liberalenBürger, zumTodund zumLeben entwirft sie dabei das Bild eines (staatspolitischen) Untergangsszenarios, das sowohl von Links und Rechts, von Reich und Arm als auch von KommunistenundKapitalistengetragenwerde.Egal,obAdel,Bürgertum oder Proletariat: Geld bestimme den „opportunistische[n] Zuschnitt der Zeit“ (Thalmann 1932, 52). So sei das „plötzlicheWuchern der sozialen Fragen“(Thalmann1932,52)im19.Jahrhundertalleindamitzuerklären, dass die Menschen nicht mehr an Einteilungskategorien wie „Geburts- verpflichtungen“, „geschichtliche Sendung“ oder „erworbene[ ] Fähig- keiten“ interessiert seien, sondernnurnochaneinem„mehroderweniger anKapital“. (Thalmann1932,53–54)DerAngriff aufdasKapitalwerde nämlich,soThalmann,„ausdemGeistederergeformt,dieihrerseitswieder Kapitalisten werden möchten“. (Thalmann 1932, 55) Darüber hinaus führeder „Verzicht aufdieBewertungdeshistorischenRanges“zumeinen dazu, dass nur nochGeld die „bourgeoise Fassung desBürgerstolzes“ be- stimme; zumanderen auch zur Ersetzung der Stände durchKlassen,was aber nichts anderes bedeute als eine „Verarmung des reichgegliederten Volksbegriffes“: „Was früher hoch und niedrig vomStandpunkt desGe- blüts und der Arbeitsleistung schien, ist nun hoch und niedrig vom Standpunkt der flüssigen Barmittel […].“ (Thalmann 1932, 53–54) Ähnlich reduziert schätztThalmanndenbürgerlichenBlick auf denStaat ein:Dieser werde dort, wo sich die „Geldmonomanenwie dieKommu- nisten“, die „Rechten und […] Linken des bürgerlichen Parlaments“ treffen,zueiner„InstitutionvonrelativerKreditfähigkeit,ausdermansein KapitalausBeliebenherausziehtoderhineinstopft“. (Thalmann1932,55) Vollkommen selbstzerstört habe sich das Bürgertum aber durch seine Verabschiedungder,dynastischen Idee‘unddurch seine Implementierung desStaatsals„Verstandesangelegenheit,derdieRevolutiondieallgemeinen 95 Diesen Satz sagt die mit „Held“ bezeichnete Figur des Marionettentheaters in Schnitzlers BurleskeZum großenWurstel, die als dritter Einakter den Abschluss seiner 1906 erschienenenTrilogieMarionettenbildet. III.2. Konservativ-pessimistische Zeitdiagnose einer Intellektuellen 171
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Title
Germanistik in Wien
Subtitle
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Author
Elisabeth Grabenweger
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2016
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
290
Keywords
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Category
Lehrbücher
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