Page - 192 - in Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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und 1930er Jahren auch die am Philologiemodell orientierte Altgerma-
nistik in seinenBann ziehen sollte.41RudolfMuchpromovierte 1887bei
RichardHeinzelmit derArbeitZuDeutschlandsVorgeschichte, habilitierte
sich sechs Jahre später mit den drei Abhandlungen „Die Germanen am
Niederrhein“, „Goten und Ingwäonen“ und „Die Südmark der Germa-
nen“, die er 1893 unter dem TitelDeutsche Stammsitze auch als Buch
veröffentlichte. Seine im selben Jahr verlieheneVenia Legendi lautete auf
Germanische Sprachgeschichte und Altertumskunde.42 1899 beantragte Ri-
chardHeinzel,demPrivatdozentenRudolfMuchnichtnurdenTiteleines
außerordentlichen Professors zu verleihen, sondern für ihn auch ein
wirkliches Extraordinariat einzurichten.43 Bezugnehmend auf die finan-
zielleLagedesStaatesverliehdasMinisteriumMuch1901 jedochnurden
Titel eines Extraordinarius, der imUnterschied zumwirklichen Extraor-
dinariatnichtmit einerBesoldungverbundenwar.44RichardHeinzel ließ
sich davon nicht beirren und reichte bereits ein Jahr später mit dem
Hinweis, dass die Angelegenheit „nicht jene Erledigung gefunden hat,
welche die Unterzeichneten und das Professoren-Kollegium angestrebt
hatten“,einenneuerlichenAntragein.45DiesenignoriertedasMinisterium
vorerst, das Professorenkollegium der philosophischen Fakultät wandte
sichmit demselbenAnliegen jedoch abermals an dieUnterrichtsbehörde
unddaraufhinwurdeRudolfMuch1904zumwirklichenExtraordinarius
41 DerVertreterderplanmäßigenordentlichenProfessur fürdasältereFach,Dietrich
vonKralik, sah 1939 selbst imNibelungenlied einenBeweis für „das unentwegte
Fortbestehen einer germanisch-deutschen Kontinuität“. Kralik: Die geschichtli-
chenZügederdeutschenHeldendichtung(1939),S.22–23.–ZurRezeptionder
germanischenKontinuitätstheorie inderWienerMediävistik vgl.Meissl:Wiener
Ostmark-Germanistik (1989), S. 143–144.
42 ZumHabilitationsverfahren vonRudolf Much vgl.UAW,Phil. Fak., Zl. 426 ex
1892/93, PA2681RudolfMuch.
43 Bericht der philosophischen Fakultät an dasMinisterium fürKultus undUnter-
richtvom14.Februar1900;ÖStA,AVA,Unterrichtallgemein,UniversitätWien,
Philosophie Professoren,MCUZl. 816 ex 1900, PARudolfMuch.
44 Beschluss Kaiser Franz Josephs vom3.November 1901 undBericht desMinis-
teriums vom 18.Oktober 1901;ÖStA, AVA,Unterricht allgemein, Universität
Wien, Philosophie Professoren,MCUZl. 33075 ex 1901, PARudolfMuch.
45 Bericht RichardHeinzels,WilhelmMeyer-Lübkes u.a. an dasMinisterium für
KultusundUnterrichtvom6.November1902;ÖStA,AVA,Unterrichtallgemein,
UniversitätWien,PhilosophieProfessoren,MCUZl.36854ex1902,PARudolf
Much. IV. LilyWeiser
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Germanistik in Wien
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Title
- Germanistik in Wien
- Subtitle
- Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Author
- Elisabeth Grabenweger
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-045927-2
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 290
- Keywords
- German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
- Category
- Lehrbücher