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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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Dekonstruktion übrig bleibt, identifiziert sie – in Ermangelung histori- scherQuellen – als heidnisch-germanisch. Soweist sie zumBeispiel darauf hin, dass die in den österreichischen Alpenländern vorkommenden Perchtenumzüge zwar eine deutliche Par- allele zumantikenArtemis-Kult aufweisen,daes sich inbeidenFällenum Fruchtbarkeitsrituale handle und die „Nymphen“, die Artemis begleiten, „unserenWind-,Wald-,Vegetations- undHausgeistern“, als die die um- herziehendenMenschen verkleidet sind, „ganz genau“entsprechen.Doch trotzdieserÄhnlichkeit kannes sich, soWeiser,beidenPerchtenumzügen nicht umdie christianisierteVariante des antikenArtemis-Kults handeln, daes einenwesentlichenUnterschiedgebe: „[B]eiuns [ist]dieAnführerin dieserDämonen,Perchta, […]keineGöttin, sondernselbstDämon[…].“ (Weiser 1923, 15–16) Überhaupt sei Perchta „eine der schwierigsten Gestalten des germa- nischen Volksglaubens“, weshalb die „Ansichten“ über sie auch „sehr verschieden“seien. (Weiser1923,43)Bilfinger sah inPerchta,wieWeiser ausführt, eine Art Ursprungsfigur des späten Mittelalters, aus der die „GottheitenderZwölfnächte“ entstanden seien unddie sich aus der Sitte desNeujahrstischsentwickelthabe,weshalbsie„nichtsUrgermanisches“an sich habe, sondern als „Art Neujahrsfee“ vom Kalendenfest abstamme. DemhältWeiserentgegen,dassderPerchtentisch(dieSitte,derPerchta in derNacht vom6. Jänner einen gedecktenTisch hinzustellen) nicht vom Kalendenfest abstammenkönne,da„andenrömischenKalenden[…]die Gerichte[…]vondenMenschenverzehrtwurden“,„[b]eidenGermanen“ aber „der in der […] Perchtennacht gedeckte Tisch die Nacht über un- berührt für unsichtbareGäste stehen bleiben“ sollte. Zumanderen argu- mentiertWeiser anhand einer Art Abfolgemodus der Götterentstehung: Denn Götter „entstehen zwar […] auf sehr früher religiöser Entwick- lungsstufe aus magischen Riten, aber eine Mahlzeit ist kein magischer Ritus, sondern einOpfer, undder Empfängermußvor derDarbringung bestehen“.WennalsoBilfingerdiePerchtaunddenPerchtentischmitden römischenKalendensitten gleichstellt, dann vollzieht er in der Logik der Weiser’schenArgumentationnur eine erneute „interpretatio romana“, die ihren Ursprung im 6. Jahrhundert bei Caesarius von Arles habe. In Wirklichkeit handle es sich beimPerchtentisch nämlich umeinen „Geis- tertisch der Germanen“, was neben demAusschluss der bisherigen ,fal- schen‘ Auffassungen auch daraus ersichtlich sei, dass der Perchten- als Geistertisch imUnterschied zuden„Kalendenschmäuse[n]“, die „ausden Städten stammten“, eine „bäuerliche Sitte“war. (Weiser 1923, 44–45) IV. LilyWeiser (1898–1987)200
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Title
Germanistik in Wien
Subtitle
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Author
Elisabeth Grabenweger
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2016
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
290
Keywords
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Category
Lehrbücher
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