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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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an“, und das „bewußt geübte Vernachlässigen des Körpers ist eine weit- verbreiteteÜbung zurHerbeiführung ekstatischer Zustände“.Damit hat manes „bei denChattenmit einemRestehöchst altertümlicherReligions- formzu tun“, bei der die „Zugehörigkeit zur anderenWelt […] auf eksta- tischemWege[…]angestrebtwurde“.MitdiesenErläuterungenhatWeiser alleZutatenzusammen,umfestzustellen,dass„[a]usdemGesagten[…]klar [wird], daßdieChatten eine Jünglings-undMännerweihebesessenhaben, die wie die ausgebildeteWeihe drei Teile umfaßt“ – erstens: Trennung, Wachsenlassen der Haare; zweitens: Verharren imVerwilderungszustand, Lehr- und Probezeit im Krieg; drittens: Haar- und Bartscheren als An- gliederung andie vollberechtigtenMänner. (Weiser 1927, 36) Damit aber nicht genug. FürWeisermachen ihre eigenenKonstruk- tionenundHypothesen schließlichaußerdemnoch„denEindruck, als ob es sichbei den lebenslänglichenKriegernumeinenMännerbundhandle, der, wie von den nichtzivilisierten Völkern her bekannt ist, die Jüng- lingsweihe ausführte“. Genauer: Der „Bericht des Tacitus“ sei so aufzu- fassen, dass das Volk derChatten „einen kriegerischenMännerbundmit religiöser Grundlage besaß, der die Jünglings- und Männerweihe und damit die Ausbildung der Jünglinge zu volltauglichen Staatsbürgern übernahm“. IndieserLogikmachtWeiser einzigdie „religiöseBedeutung desChattenbundes“ Sorgen, die in derGermania „nicht so ganz offen zu Tage“trittwieangeblichallesandere,dieanhandderMärchen„aber leicht erschlossenwerden“ konnte. (Weiser 1927, 38) Ähnlich gehtWeisermit dem43.Kapitel vonTacitus’ Schrift um, in dem er über dieHarier schreibt, dass sie wild und starkwaren, schwarze Schilder besaßen, ihreKörper bemalten, nur in derNacht kämpftenund „durch das unheimliche düstere Aussehen ihres Totenheeres Schrecken“ erregten.103 Weisers Interpretation ist folgende: Beim nächtlichen, kör- perbemalten „Auftreten derHarier“ handelt es sich „nicht um eine ein- maligeKriegslist, sondernumeinen feststehendenBrauch“,wonach„ihm eine Vereinbarung zu Grunde“ liegt, „eine Art Verpflichtung oder Ver- löbnis“,das „sowohluntereinander“als auch„gegenüberdenMächtender 103 Der lat. Text lautet: „CeterumHarii super vires, quibus enumeratos paulo ante populos antecedunt, truces insitae feritati arte ac tempore lenocinantur: nigra scuta, tinctacorpora;atrasadproelianoctes leguntipsaqueformidineatqueumbra feralis exercitus terrorem inferunt […].“ Schwyzer/Schweizer-Sidler: Tacitus’ Germania (1923), S. 96–97. – Karl Müllenhoff erklärte „feralis exercitus“ als „Gespensterheer“; Fehrle bezog „feralis exercitus“auf „terrorem“, übersetzte also: „wiewennsieeinTotenheerwären“.Weiser:AltgermanischeJünglingsweihenund Männerbünde (1927), S. 39 (Anm. 28). IV.3. Archaische Potenzfeiern als Ursprung der deutschenKultur 213
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Title
Germanistik in Wien
Subtitle
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Author
Elisabeth Grabenweger
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2016
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
290
Keywords
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Category
Lehrbücher
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