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manischenKulturnichtnureineneminent religiösen, sondernaucheinen
kriegerischenCharakter“111 verlieh.
Weiser selbst baute in ihrer Arbeit keine Brücke zu zeitgenössischen
realhistorischen Fragen. Eine ,Aktualisierung‘ des Männerbundthemas
vollzogerstdernächsteMuch-Habilitand,OttoHöfler,siebenJahrespäter.
Höfler übernahm 1934 in seiner Habilitationsschrift Kultische Geheim-
bünde derGermanenWeisersmethodische Prämissen bis insDetail, legte
seinen Schwerpunkt aber vor allem auf die politischen und völkischen
Aspekte und verkündete mit Verweis auf eine angeblich fortdauernde
germanische Kultur: „Die eigenste Begabung der nordischen Rasse, ihre
staatenbildende Kraft, fand in den Männerbünden ihre Stätte.“112 Mit
seiner zuWeiser thematischparallelenArbeitwurdeHöfler inWien1934
zumPrivatdozenten fürGeschichte der deutschen Sprache und Volkskunde
ernannt. Ein weitererMuch-Schüler, RichardWolfram, habilitierte sich
1936mit der Schrift Schwerttanz undMännerbund fürGermanisch-deut-
scheVolkskunde.RudolfMuchwaresmitseiner,Männerbundschule‘Mitte
der1930erJahrealsoendgültiggelungen,dieVolkskundeinseine,nämlich
diegerman(ist)ischeRichtungzuziehen.Tatsächlichwurde1939,alsman
an der UniversitätWien die erste systemisierte Volkskundeprofessur in-
stallierte, kein Ethnologe berufen, sondern ein treuer Anhänger des
„Meisters“113 Much, der Germanenkundler und Skandinavist Richard
Wolfram.114
IV.4.Konkurrenzen undNetzwerke
Dass dieVolkskunde an derUniversitätWien bei ihrer offiziellenGrün-
dung1939 alsGermanen- undMännerbundkunde betriebenwurde,war
während der jahrzehntelangen Bemühungen um die Etablierung einer
111 See:Das ,Nordische‘ inderdeutschenWissenschaftdes20. Jahrhunderts (1983),
S.31.–ZudenzeitgenössischenGermanenbildernvgl.auchEngster:Germanisten
undGermanen (1986), S. 69–93.
112 Höfler:KultischeGeheimbünde derGermanen (1934), S.VIII.
113 Rudolf Much wurde unter den Germanenkundlern „Meister“ genannt. Fehrle
(Hg.):ErnteausdemGebietederVolkskundealsFestgabedemverehrtenMeister
Muchzum70.Geburtstag(1932);Höfler:DietrichvonKralik[Nekrolog](1960),
S. 47. – Richard Wolfram behauptete in seinem Nachruf, dass Much „seine
Freunde und Mitstreiter immer nur ,Heerkönig‘ nannten“. Wolfram: Rudolf
Much [Nekrolog] (1936), S. 476.
114 Zu den politischen Umständen der Berufung Wolframs vgl. Bockhorn: „Die
AngelegenheitDr.Wolfram,Wien“ (2010).
IV. LilyWeiser
(1898–1987)216
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Germanistik in Wien
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Title
- Germanistik in Wien
- Subtitle
- Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Author
- Elisabeth Grabenweger
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-045927-2
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 290
- Keywords
- German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
- Category
- Lehrbücher