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aufgrund seiner Arbeit Die Trinkwasserversorgung primitiver Völker die
VeniaLegendi fürEthnographieverliehenbekamund1924außerdemzum
außerordentlichen Professor ernannt wurde. Arthur Haberlandt führte
Museum,VereinundZeitschrift seinesVatersweiterundentwickelte1926
die „TheoriederLebenskreise“,dieer als „Inbegriffder stetigenErlebnisse
einerMenschengruppe inHauswirtschaft, Beschäftigung und geselligem
Dasein, ausdenen ihreBräuche,SittenundAnschauungenerwachsen“,131
bestimmte.Diese „Lebenskreise“, die andas völkerkundlicheKulturkreis-
Konzeptangelehntwaren,versaher jedochmiteinerWeltanschauung,die
seinemVater immer fremd gebliebenwar: Ab den späten 1920er Jahren
insistierte er nämlich zusehends auch auf der „Bedingtheit nach […]
Rassenentwicklung“132.
Zur offiziellen Vertretung der universitären Volkskunde in Wien
wurde bisMitte der 1920er Jahre trotz vielfacher Bemühungen niemand
ernannt. An den Universitäten in Köln, Marburg, Breslau, Heidelberg,
Würzburg, Hamburg, Frankfurt amMain, Jena, Königsberg, Basel und
Praggabes schoneigeneLehrstühleoder zumindestLehraufträge.133Dass
es inWien bis 1939 nicht zur Einrichtung eines Lehrstuhls kam, lag zu
einem Gutteil daran, dass sich die konkurrierenden Unternehmungen
gegenseitig in Schach hielten und darauf bedacht waren, dass die jeweils
andere Richtung keine universitären Titel oder Ämter zugesprochen be-
kam,die ihnen selbst verwehrtblieben.BeidiesenAuseinandersetzungen,
derenVerlauf imFolgenden in seinerChronologie skizziertwird, ging es
vor allemdarum,wer offiziell die BezeichnungVolkskundebzw.Deutsche
Volkskunde zugesprochen bekam. LilyWeiser war dabei, das soll vorweg-
genommenwerden,eineKarte imSpielumdieVolkskundedesAltertums-
undGermanenkundlersRudolfMuch.
Der erste Austragungsort, an demderMachtkampf zwischenRudolf
Much, den ,Mythologen‘undderVolkskundeHaberlandt’scherAusrich-
tung zutage trat,wardasHabilitationsverfahrenArthurHaberlandts.Am
10.Dezember 1912 reichte dieser einGesuch umVerleihung der Venia
LegendifürAllgemeineEthnographieundEthnologie sowiediePrähistorieder
131 Arthur Haberlandt: Taschenwörterbuch der Volkskunde Österreichs. Bd. 1
(1953), S. 99.
132 Arthur Haberlandt: Die volkstümliche Kultur Europas in ihrer geschichtlichen
Entwicklung (1926); zit. n.Bockhorn:VonRitualen,MythenundLebenskreisen
(1994), S. 510.
133 MichaelHaberlandt: Zur Stellung derVolkskunde im akademischenUnterricht
(1926), S. 73–76. IV.4. Konkurrenzen undNetzwerke 221
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Germanistik in Wien
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Title
- Germanistik in Wien
- Subtitle
- Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Author
- Elisabeth Grabenweger
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-045927-2
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 290
- Keywords
- German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
- Category
- Lehrbücher