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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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wahrung,dieaucheinklares InnenundAußendesakademischenBetriebs definierte.DieseOrdnungderProfessorenfolge änderte sichgrundlegend, als1912JakobMinor, InhaberderneugermanistischenProfessur, starb. In den darauffolgenden äußerst konfliktreichen Verhandlungen um seine Nachfolge entstand eine Art Patt-Situation zwischen Vertretern der phi- lologisch orientiertenGermanistengeneration, die für dieWeiterführung der bisherigen Berufungskriterien eintrat, undVertreternmoderner wis- senschaftlicherStrömungen,diedie aufÖsterreicherundScherer-Schüler konzentriertenAuswahlmechanismen zu durchbrechen suchten.Darüber hinaus wurden von einzelnen, am Auswahlprozess beteiligten Wissen- schaftlernmitNachdruck eigene Interessen vertreten, sodass trotz zäher, zwei Jahre dauernder Auseinandersetzungen dem Ministerium kein mehrheitliches Ergebnis übermittelt werden konnte. Schließlich wurde 1914 ein für Fakultät und publizistische Öffentlichkeit überraschender Kompromisskandidat nach Wien berufen: der deutsche Geistesge- schichtlerWaltherBrecht.Dabei handelte es sich umeineEntscheidung, die innerhalb derUniversität und vonderTagespresse, die sichmassiv in denAuswahlprozess einschaltete, als Katastrophe undBankrotterklärung derWissenschaftwahrgenommenwurde. Tatsächlich beendete die AmtszeitWalther Brechts, der bis 1926 die neugermanistische Professur inWien bekleidete, einen Schulzusammen- hang, in dem unter Berufung auf Wilhelm Scherer eine philologisch orientierte und auf Österreich konzentrierte Wissenschaftsauffassung vertreten wurde.Walther Brecht selbst hatte, wie die Analyse seiner Pu- blikationenzeigte, inBezugaufdenWiderstreitzwischenPositivismusund Geistesgeschichte kein klar definiertes eigenes wissenschaftliches Profil. Vielmehr lässt er sich als Integrations- undÜbergangsfigur in einer Zeit scharfer innerfachlicher Positions- und Generationskonflikte begreifen. Gerade seineOffenheit,wasmethodischeAusrichtungenundthematische Schwerpunktsetzungen anging, führte aber auch dazu, dass aus seinen Lehrveranstaltungen eine große Zahl späterer Universitätsgermanisten hervorging, die dann sehr unterschiedliche wissenschaftliche Schwer- punkte setzte. Nicht zuletzt ermöglichte Brechts wissenschaftliche und habituelleOffenheit denn auch die imdeutschen Sprachraum zeitgenös- sisch singuläre Integration vonFrauen in dieUniversitätsgermanistik. Hinzu kam, dass es in der Zeit von Brechts Professur zu einer zu- nehmendenDisproportionvonLehrendenundLernendenkam:Während sich die Zahl der Studierenden seit der Jahrhundertwendemehr als ver- sechsfacht hatte, blieb dieAnzahl der Professuren nahezu gleich.Das be- deutete zumeinen,dassdieAufrechterhaltungdes laufendenLehrbetriebs Resümee232
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Title
Germanistik in Wien
Subtitle
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Author
Elisabeth Grabenweger
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2016
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
290
Keywords
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Category
Lehrbücher
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