Page - 148 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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ade der Stadtpfarrtirchc und das sogenannte gemalte Haus
(Nr. 219) auch die interessanteste der Gassen. Vom Eisen-
thorc auf den Hauptwachplatz geleitend, durchaus von stattlichen
meist drei Stcckwerle hohen Hausern gebildet, -,eigt sie ;u jeder
Tageszeit bis spät in die Naäit hinein das geschäftigste Le-
ben. Schade, daß sie auch jetzt noch durch die vielerlei Last-
wagen, kohnkutscken und Kaufmannögüter, welche fast immer
vor dem Gebäude der Hauptmauth stehen und liegen bleiben
müssen, '.'erschränkt wird, obgleich nicht verhehlt werden kann,
daß auch ;ur Abstellung dieses Ilebelstandes längst die nötl,i-
gen amtlichen Verhandlungen im !><a»ge seien. Ihre beiden
Seitengäßchen, die Psarr- und Frauengasse, sind dadurch
bemerkenswert!), daß sie in der ältesten Zeit das Iudenquartier
der Stadt waren; dieser Stadtthcil hieß darum noch lange nach
ter Ausweisung der Juden der Iudemain und Iudenweg.
<3ine dritte Seitengasse derselben ist das Meßnergäß-
chcn, worin bei Gelegenheit eines Canalbaues im Frühlings-
anfänge des I. 1837 eine Menge sehr alter Ringe, Spangen,
ein Arm- und ein Leibring, ein Tl,eil eines Bechers u. dgl. m.
gefunden wurden, Alles aus den» feinsten Golde fleißig gearbei'
tet und zum Theile mit gaiu rol'en Edelsteinen besetzt; darunter
war auch eine schöne goldene Müme aus der Zeit der Regierung
Johanns Comnenus, des im Purpur Gebornen, aus den I.
1118 —1143, die noch in der Münzsammlung des st. st. Ioan-
ncums ;u sehen ist. Die Stätte des Fundes gehörte einst nun
Garten der Dominicaner und lag dein Iudenquartiere gegenüber.
Im ersten Sacke, der Fortsetzung des Hauptwachplatzes,
sind die Palläste der Grafen von Attems (Nr. 293) und von
Herberstein (Nr. 237), im zweiten Sacke das Kloster der Ilr-
suliner-Nonnen (Nr. 29!) und das Gebäude der t. f. ssameral-
Gcfällen - Verwaltung (Nr. 2-tÜ) gelegen. Im dritten Sacke
N'ütl'etc am 7. August des I. 1ÜN7 eine verheerende Feuere-
brunst und legte ihn fast gaiy in Asche; da man befürchtete,
dasselbe werde den Pulvertlnirm auf dem Schloßberge, ter da-
mals dicht über dieser Gasse lag, ergreifen und Grätz in gro-
ßes Unglück stürben, so verlobten sich die innerösterreichische
Hofkammer und die Vürgerschafl mm heil. Florian ob Straß-
gang und veranstalteten, da die Gefahr glücklich vorüberge-
gangen war, einen jährlichen Bittgang dahin, ließen auck einen
neuen Hochaltar alldcrt mit dem termaligen Bilde aufstellen').
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Title
- Grätz
- Subtitle
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Author
- Gustav Schreiner
- Publisher
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Location
- Graz
- Date
- 1843
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.55 x 20.25 cm
- Pages
- 638
- Keywords
- Graz, Steiermark, Stadt
- Categories
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918