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belgischen Stift nächst dem Gottesacker der Minoriten ni woh-
nen genötlngct wurden, mustten ibnen, denen, wie K. Mari-
milian in seinem Briefe an de» Papst Alerander > I. aussagt,
die Bürger kein neues Kloster bauen wollten, die Bruder des
heil. Franciscus ihr noch nicht gam ausgebautes Kloster am
25. October 1517 einräumen. Ihnen selbst war das Kloster
der Minoriten an der Brücke, welche die ihnen vom Papste
auferlegte ?lnnalnne der Reform im Haupte nnd in den Glie-
dern abgelehnt kalten, am 7. Mai des I. 1715 förmlich über-
geben worden. Die Minoriten muftten in die Murvorstadt über-
siedeln, wo ihnen die Herren von Eggenberg anfänglich bloß
Ilntcrtunft gaben, und später erst eine neue und freundlichere
Kirche nnd Wol'nung erbauten. In den wilden Zeiten der Ne-
fcrmationsstürme soll das Kloster von dem protestantisch-gesinn-
ten Pöbel hart mitgenommen worden, und im I. 1571, als
die Jesuiten nach Gräh berufen wurden und dieses Kloster
ihnen eingeräumt werden sollte, so verwüstet gewesen sein, daß
jene es vorwogen, sick einstweilen mit dem Pfarrl'cfe nächst der
St. ?legydeukirche m begnügen '). gegenwärtig besorgen die
Mönche dieses Klosters die mit ihrem Ccnvente verbundene
dritte Pfarre der inneren Stadt.
Die Kirche ist ganz '.'erbaut nnd siebt von keiner Teile
so frei da, nie die Tom- oder Leeclikirche, indem allentl'alben
entweder Hauserchen an ilne Mauern angeklebt sind, oder
Kaufgewölbc sich zwischen die weit hervortretenden derben Stre-
bepfeiler hineingebaut haben, und an die Mittagsseitc sich das
Klostergebäude anlehnte. In architektonischer Hinsicht ist sie
das eigenthümlichste Bauwerk unter allen Kirchen gctlüschen
Stt'ls, welche sich in der Stadt vorfinden. Das Chor ist näm-
lich von außen und im Innern viel böher als das Schiff,
und dieß allein verräth schon deutlich, daß beide nicht m einer
Zeit aufgeführt worden sind, was auch die übrigen Eigenheiten
deutlich dartl'un; denn das Clier hat Spitzbogen-, das Schiff
hingegen breite Rundbogen-Fenster, die aber nicht etwa erst
in späterer Zeit gebrochen wurden, sondern gleich anfänglich
so angelegt ;u sein scheinen. Der gegen Westen vor dem Schiffe
stehende Thurm, welcher einen der fünf Ausgänge der Kirche
entbält, wurde im I. 1639 begründet und 1645 vollendet,
und nicht bloß mr Zierde der Kirche, sondern auch zur Ve-
») So berichtet Uquil,n Iulms ssäsar in semer Beschreibung des Herzoq-
i »bums Steiermark, Gral;, <??3. I. Theil S. ' i : ; allein Plac>?us Her- H
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Title
- Grätz
- Subtitle
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Author
- Gustav Schreiner
- Publisher
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Location
- Graz
- Date
- 1843
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.55 x 20.25 cm
- Pages
- 638
- Keywords
- Graz, Steiermark, Stadt
- Categories
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918