Page - 229 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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Ral!mann5dorf'schc Hau« ' ) , und erbauten in den ilinächst dar-
auf folgenden Jahren dieses ernste Gebäude, hinter dein eben-
falls ;wei kleinere Höfe liegen.
Das ständische Zeughaus ist aber keine moderne elegante
Rüstkammer, in der die mancherlei Werkzeuge einer systemati-
schen Menschcntödtung wie anderwärts im Großen sumetrisch
und kunstgerecht gar zierlich in Neil) und Glied gestellt oder
gar architektonisch geordnet ni schauen sind, sondern es kün-
digt sich auch jetzt noch in seiner ängstlichen Benützung des
Raumes, in der Beschaffenheit der in ihm aufgehäuften Ge-
wehre und in seiner Schmucklosigkeit gleich dein ersten Blicke
als ein Kind der Nothwendigkeit an, das noch immer deutlich
den Geist der Zeit beurkundet, dem es seine Entstehung und
Erhaltung verdankt; dessenungeachtet ist der Besuch desselben
eben so belehrend als interessant.
In vier niedrigen, Ziemlich dunkeln, durch Holztrcppen
unter einander verbundenen, saalartigen Räumen, die an die
Verdecke von Kriegsschiffen erinnern, ist eine unübersehbare
Menge von Waffen älterer Art, besonders viele Rüstungen, Har-
nische sammt Pickelhauben, Panzerhemde, Hellebarden, Streit-
kolbcn, Morgensterne, die wegen ihrer Größe und Schwere in
Erstaunen setzen, Hellebarden und Landstncchtspicße, Patron-
tascken, Büchsen der ältesten Art, Pulverkörner u. dgl. m. auf-
gestellt. Darunter befinden sich aber auch manche Scdenswür-
tigtciten, die ein antiquarisches oder historisches Interesse haben,
als: eroberte türkische Fahnen und Waffen, ungemein große
Schlachtschwerte (Neidcrhander), im zweiten Stockwerke ein
sehr hübscher, mit dem Batbory'scken Wappen generier Wagen
von besonderer Bauart; die vorgebliche Leibrüstung des Herzogs
Karl I I , von Steiermark und seine Prachtsense; die fälschlich
dem unglücklichen 'Andreas Bamntircher und dem glücklicheren
Erasmus Lucgcr zugeschriebenen Rüstungen; hölzerne Setz-
schildc als die älteste und seltenste Gattung dieser Schutzwaffe;
Helme mit stachlichtem Visier, vielleicht für die Bärenjagd be-
stimmt; Bauernwaffen von besonderer Rchheil in den Bauern-
aufständen ercbert; eine Rondtartsche über einen Viertel Zent-
ner schwer und mit den Spuren von eilf abgcprallten Kugeln
versehen u. dgl. m. ^). Es gab eine Zeit, wo das Zeughaus
so eingerichtet war, daß man aus ihm leicht 30,000 Mann
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Title
- Grätz
- Subtitle
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Author
- Gustav Schreiner
- Publisher
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Location
- Graz
- Date
- 1843
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.55 x 20.25 cm
- Pages
- 638
- Keywords
- Graz, Steiermark, Stadt
- Categories
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918