Page - 263 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
Image of the Page - 263 -
Text of the Page - 263 -
lich wagte Vartholomaus Picca, ein lutherischer Schulmei-
ster, es schon, eine Postille unter dem Namen eines evange-
lischen Unterrichts herauszugeben. Von da an wurde die soge-
nannte Reformation immer eifriger auch von den Kaineln ge-
lehrt. Ihr wendete sich immer mel'r Volk, ja selbst ein gro-
ßer Theil der landständischen Geschlechter zu. Zehn Jahre
darnach konnte man bereits an die Gründung einer eigenen
öffentlichen Lehranstalt denken (siehe S. 243), die sich bald
als zu klein und ungenügend zeigte (siehe S. 230). Als im
I. 1547 zu Stcier eine Zusammenkunft aller innerosterreichi-
schen Landstante gehalten wurde, erschienen für Steicrmart
der Landeshauptmann Hans Nngnad Freiherr von Sannegg
und Herr Johann Jakob von Grcißenet und begehrten, daß
die Erlaubniß erwirkt werde, das Altarssakrament unter bei-
derlei Gestalten genießen zu dürfen, was Kaiser Ferdinand I.
auch vom Papste Pius V. im I. 1564 erlangte; allein da-
mit war noch die der katholischen Kirche drohende Gefahr nicht
beseitiget, vielmehr drangen die Landstande gleich im zweiten
Jahre der Negierung Karls II. (1566) auf die völlig freie Re-
ligionsübung, deren Gewährung sich aber der Landesfürst an-
fanglich lange widersel-'te, die er aber endlich denn doch auf
dem Landtage zu Brück an der Mur am 9. Februar 1578 ge-
wahren mus;ie, jedoch nur auf bestimmte Orte beschränkte.
Darüber einstanden schon drei Jahre darnach lebbafte Zwiste
zwischen dem Landesfürsten und den lutherischen Landständen,
welche thcils durch den Ucbcrmuth der protestantischen Prediger,
die freilich auch durch die unausgesetzten und scharfen Contro-
versen ihrer Gegner gereizt, und theils durch die dem katholi-
schen Glauben im Lande drohende große Gefahr genährt wur-
den, indem der Hos sich ringsum von lauter Anhängern der
neuen Lehre umgcdcn und die Zalil der Katholiken so sehr
schwinden sah, daß im I. 1572 nur mehr zwanzig Personen
das Abendmal zu Ostern auf katholische Weise empfingen und
noch 1577, obgleich die Jesuiten schon mehre Jahre durch
Predigten gegen die neuen Ansichten in Sachen des Glaubens
eiserten, das kleine Kaiharinatirchlcin (siehe S. 174) für hin-
reichend groß zur Stadtpfarrkirche erkannt wurde. Durch die
Bemühungen der Jesuiten, den Einfluß der eifrig katholischen
Hofleute und die Kraft, welche Karl II. und Ferdinand I I , ,
von den Sendboten der Päpste angefeuert, entwickelten, wurde
alles dieses im Laufe von zwei Iahrzchenden in der Art gäm-
lich geändert, daß am 28. Sept. 1598 plötzlich alle Lehrer und
back to the
book Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung"
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Title
- Grätz
- Subtitle
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Author
- Gustav Schreiner
- Publisher
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Location
- Graz
- Date
- 1843
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.55 x 20.25 cm
- Pages
- 638
- Keywords
- Graz, Steiermark, Stadt
- Categories
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918