Page - 275 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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Seegefecht hinaussieht. — Ihm gegenüber ist ein von Kuppel-
wieser im I. 1832 gemalter Cbristus, der sein Heri zeigt' ein
edler Kopf, '.'oll Milde und Erhabenheit, gan< des Meisters
würdig, den auch das gediegene, markige Colorit preiset. — In
der Scitenkapclle, die an der Decke Neste einiger braven Fres-
kobilder hat, ist am Altäre ein I'^re I,omo von Christoph
Schwär!, ein sonst sekr gutes Gemälde, welches sich als Legat
des verstorbenen Gallerie-Tircctors I. Stark hier befindet, aber
durch unverständiges Neiuigen fast ganz wertblos geworden ist.
Innerhalb der diese Kirche umfangenden Mauer liegen
Pfarrhof und Schule und weiter entfernt der zweite Fried-
hof von Gratz.
Zunächst der freundlichen Zinzendorfgasse zeigt sich inmit-
ten ikres durch Aussicht und Gräber hockst interessanten Got-
tcsack.rs auf einer liock ausgemauerten Terrasse die alte Kir-
che der deutschen Ordens - Commcnde am Lccch, wel-
che nach der Vclkssagc die Stadtpsarrkirche des urältestcn Grätz,
das nach ihr einst hier gestanden sei, gewesen sein soll. Ihren
sehr alten Namen mag sie, so meinen Einige, von dem in
der Nähe fließenden Vächlein, einst »der Leech" genannt, cr<
halten haben. Zuerst stand auf dem Hügel, der jetzt in die
Terrasse gefaßt ist, ein Kirchlein, welches Hcncg Leopold VI.
von Ocsterreich, der dritte Herzog von Steiermark aus dem
Gescklcchtc der Vabenberger, im I. 1202 zu Ehren der heil.
Kunigunde, deren Leichnam ein Jahr früher Nl Vamberg in
seiner Gegenwart erhoben und an einen würdigeren Ort war
übertragen worden, gegründet hatte. Sein Sohn, Herzog Fried-
rich der Streitbare, übergab diese Kirche mit vielen wichtigen
Privilegien im I. 1233 dem kriegerischen Priesterordcn der
deutschen Herren. Von den Scharen des Ungarkcnigs Bcla IV.
wurde sie im I. 1259 zerstört und erst 1253 von dem deut-
schen Orden, und zwar in ihrer gegenwärtigen Gestalt wieder
erbaut. — K. Rudolph I. ertlieilte dem Orden am 14. Mär',
1278 in Wien mehre wichtige Vorrechte und auch die Ncfug-
niß, eine freie Schule bei dieser Kirche errichten, die Lehrer
aufnehmen und entfernen, und über alle Schüler die Ge-
richtsbarkeit ausüben zu dürfen. Tiefe Freischule wurde von
dem Orden erst um den Anfang des sechzehnten Jahrhunderts
in die Statt versetzt und an die Pfarre bei St. Aegyden über-
tragen. — Als in der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts
durch die immer heftiger entbrennenden Rcligions-Streitigkeitcn
, . wechselseitige Verfolgungen beider Parteien von Tag zu Tag
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Title
- Grätz
- Subtitle
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Author
- Gustav Schreiner
- Publisher
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Location
- Graz
- Date
- 1843
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.55 x 20.25 cm
- Pages
- 638
- Keywords
- Graz, Steiermark, Stadt
- Categories
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918