Page - 308 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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gezahlt und haben eben keine sehr große h'cncurrein u> beste-
hen; ja cs fällt nicht selten sckwcr, die nötbigen Arbeiter zu
erhalten. <3>ne Küchenmagd erbält in der Regel jährlich ^0 —
24 fi. ss. M. Lohn; eine Köchin» 28 — 60 si.; ein Bedien-
ter monatlich 12 fi.; ein Rutscher 10 — 1ü fi.; ein Haus-
knecht 4 — 5 st.; der Taglchn beträgt 20 — 30 kr. E. M.
8. ».
National: und Religions-Vcrschicdcnhcit.
So nahe auch die Gräme derjenigen Landschaften ist,
die schon von Slaven (den Wenden) bewohnt werden, so ist
doch Grätz heut ;u Tage eine rein deutsche Stadt, in der man
viel häufiger italische als windische Laute vernimmt. Der Grä-
her gehört zum oberdeutschen Volksstamme. Sein Dialekt bat,
einige Worte und Redensarten etwa aufgenommen, nicht viel
Eigentbümlichcs; er ist ihm mit dem ganzen umliegenden
Lande und mit dem Vcwobner mancher österreichischen Land-
städtchen gemein, in denen man, mit wenigen Abweichungen,
fast überall eine äbnliche Mundart I'ört, die eben nicht viel
Raubes an sich bat und zuweilen an den Wiener-Dialekt erin-
nert, nur daß der letztere weicher, runder, in den üblichsten
Redensarten gemütblicher und im Rainen woblklingender ist.—
Die unteren Volksclassen hingegen baben aber allerdings eine
mitunter raube, barte, dem gebildeten Ausländer schwerer ver-
ständliche Redeweise. ?lm raudestcn ist die Sprache der vom
Lande herbeigezogenen Mägde, unter denen sich wieder bierin
die bäufig al» Ammen in der Sladt dienenden weiblichen Per-
sonen aus Hitzendors auszeichnen.
Auch das weibliche Oieschlecht der Mitlelclassen, ja selbst
Fraueu und Mädchen von Honoratioren überraschen den <vrem-
den nickt selten durch eine vernachlässigte Hpraä»e, die man
ihnen niemals zugetraut hatte und die plötzlich den angeneh-
men Eindruck, den man beim Anblicke der schönen (Gestalt
und ilner cinnebmenden (Gesichtszüge empfangen bat, wieder
vernichtet. — 3er Raum gestaltet cs nicht, sich l'ier in eine
nähere Bezeichnung der besondern <figenheitcn des (^lätzer-
Tialekts eiinulassen. Das Wörtchen ,,wol" gebraucht er als
Bejahung sehr häufig; „die Spinne" bezeichnet er als »Spin-
nerinn"; er hat auch wie der Wiener »keine Vntter," sondern
„einen Auttcr", das Fräulein ist ibm »die Fräule"; das ge-
meine Volt nennt einen herablassenden, freundlichen Mann
einen »niederträchtigen" Herrn; das Abweichen „die schnelle
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Title
- Grätz
- Subtitle
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Author
- Gustav Schreiner
- Publisher
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Location
- Graz
- Date
- 1843
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.55 x 20.25 cm
- Pages
- 638
- Keywords
- Graz, Steiermark, Stadt
- Categories
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918