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Halbinvaliden, welche sich durch eine gute Auffüllung aus-
zeichneten, vonl Militär >ur Strafbauswache übersetzt werden
und auch wieder dabin nnückversetzt werden können.
Es sind derzeit (Juli ldi4Z) l26 Männer und 30 Wei-
ber in dieser Strafanstalt untergebracht, welche sämmtlich eines
begangenen Verbrechens wegen hier ihre im gerichtlichen Ur-
tbeile bestimmte, meist 2 — lOjäbrigc Strafzeit iu überste-
l'cn haben. Eine bedeutende An;abl ter nach lem Gesetze in
dieses Strasliaus gehörigen Sträflinge kann wegen Mangel an
Raum in demselben nicht untergebracht werden, sondern diese
müssen bei den Landgerichten und Magistraten einstweilen ihre
Strafzeit überstehen; doch ist bereits allerhöchsten Orts der
Bau für die Unterbringung «on 250 Sträflingen bewilliget.
Die Zahl der ;um werter, somit chne Eisen Verurtbeilien ist
stets geringer, als die Summe jener, die zu schwerem Kerker,
somit ;ur Tragung von Fesseln verurtheilt sind. Zum schwer-
sten Kerker, der in Oestcrreich schcn seit Jahren abgeschafft wor-
den ist, '.-erunl'eilt, befindet sich kein Individuum hier. Sträf-
linge über 10 Jahre werden in diesem Strafhausc nur gesam-
melt, um später nach Gradisla übcrbracht ;u N'erden'). Sträf-
linge bis 6 Monate schweren oder 1 Jahr einfachen Kerker kom-
men nur ausnahmsweise wegen besonderer Halsstarrigkeit oder
des Mangels an Neligionstenntniß liu'rl'er, indem sie in der
Negel il're Straneit bei den Landgerichten ,u bestcl'en baben.
ßs ist eine niederschlagende Vemerkung, daß auch hier die
Zahl junger Sträflinge verbal nißmaß g groß ist, für welche
jedoch bei dem Vcrgrößerungsbaue eine eigene Abteilung
angetragen ist, um sie von den übrigen Sträflinge» abzu-
sondern. Es versteht sich wol von selbst, das. auch in dieser
Anstalt für religiösen Unterricht, für den Schulunterricht der
Jüngeren und für anbaltcnde Beschäftigung gesorgt sei. —
Von der Zabl der Sträflinge erkranken im Durchschnitte jähr-
lich '/^, und ungefähr 10 sterben. An, häufigsten kommen
scrcphulcse Geschwüre und Katarrhe vcr. Der Scorbut wird
durch eine zweckmäsiige Vorbauungstur gewöhnlich verhütet
oder in der ersten Entwicklung geheilt.
Die Gesammttosten der Unterhaltung dieser Anstalt be-
laufen sich jährlich auf 2,^,000 ft. C. M. und darüber. Von
dieser Summe werden bei 2800 ft. durch den Arbeitsertrag
l> Im I <3,« bcxmdcn sich hier «n« GlraNinge, die sämmllich von ! bis
! ! zu 5 Jahren Kcrlcl v>rurlhe,lt warc».
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Title
- Grätz
- Subtitle
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Author
- Gustav Schreiner
- Publisher
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Location
- Graz
- Date
- 1843
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.55 x 20.25 cm
- Pages
- 638
- Keywords
- Graz, Steiermark, Stadt
- Categories
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918