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sänftigt, als Schrottcnbach versicherte, daß wol schwerlich ein
Anderer eben so lhcure Hosen anhaben könne, indem sie ihm
100 Dukaten kosteten.
Vom I. 16N7 an kam Gösting mit mehren andern Gü-
tern zu dem neu errichteten Fürstenthume Eggenberg, bis im
I. 1707 der Fürst Johann Seufried dasselbe an die Familie
Attcms '.'erkaufte, in deren Besitz Gösting noch dermalen ist.
Erst am Anfange des XVIII. Jahrhunderts wurde am
Fuße des Berges der größeren Bequemlichkeit wegen das neue
Schloß Gösting gebaut und die alte Vurg nach und nach ver-
lassen; ietzt wird dieselbe der hübschen Fernsicht wegen noch
häufig besucht, die auch an der nicht ferne davon erbauten
Cholcrakapelle lohnend ist.
Ein Fahrweg schlängelt sich vom östlichen Fuße des Vcr-
ges allmählig hinan, und führt an Weinbergen, Bauernhöfen
u. s. w. vorüber, bis man den Wald betritt, der sich über
den Nucken des Berges hinzieht und die ganze nördliche Seite
desselben bedeckt.
Auf dem nackten mit Flechten bemalten Felsen eines
grauwackenartigcn Sandsteins steht die früher geräumige, ietzt
durch Benützung des Baumaterials bis auf ein Paar Thürme
und wenige Gemäuer in Schutt versunkene Burg. Einge-
stürzte Gewölbe, bemooste Wände und öde Fensterräume, durch
die man in die schauerliche Tiefe hinabblickt, ist alles, was
sich von ihrer früheren Größe noch erhalten hat. Verwischte
Wandgemälde deuten noch den iDrt der ehemaligen St. Amia-
kapelle an. Die uralten Stiftungen sind auf die gleichnamige
Kapelle in Neu-Gösting übertragen worden. Wenige Schritte
von der Burg ragt fast eben so hoch ein Kalkfelsen empor,
der schroff nach der Nordseite und dem Strome abstürzt, ließ
ist der Iungfcrnsprung; ein kaum merklicher, für Ungeübte
auch etwas gefährlicher Fußpfad führt n> seinem äußersten
Rand hinan. Hier überblickt man die letzten Krümmungen
der Mur und der Straßcnzüge in dem beengten Felscnlhale,
bcgränzt von dem herrlichen Gcbirgspanorama der obcrstciri-
schcn Alpen. Schön, aber auch ernst ist diese Stelle; kein
Laut, als das dumpfe tauschen des Stromes unterbricht die
feierliche Stille. Aus den Felsenritzen sprossen liedliche Auri-
kcl und andere schöne Blümchen "), einst mit der unglücklichen
Jungfrau Herzblut befeuchtet.
U!l»nll»ug plun,ZrlU5, Lcor»oncr» »uztriaca U. s. W.
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Title
- Grätz
- Subtitle
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Author
- Gustav Schreiner
- Publisher
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Location
- Graz
- Date
- 1843
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.55 x 20.25 cm
- Pages
- 638
- Keywords
- Graz, Steiermark, Stadt
- Categories
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918