Page - 497 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
Image of the Page - 497 -
Text of the Page - 497 -
l497
das! einige Zeit darauf in der Nähe der Kirche aus einem
Tannenbaume ein 'Ast in Form eines Kreuzes hervorgewach-
sen sei. Natürlich hatte dieses auf den Ruf des Gnadenortes
einen sehr günstigen Einftuß, welcher bei Vermehrung des Ver-
mögens der Kirche erlaubte, an einen neuen schönen Bau zu
denken, welckcr auch im I. 1346 ausgeführt wurde. Vei die-
ser Gelegenheit schloß man den denkwürdigen Vaum inner-
halb der Kirchenmaucr ein, und derselbe soll noch 'um Tbeilc
am (5nde des vorigen Jahrhunderts bestanden haben. Kirche
und Altäre in Stras-engcl sind mit Ablässen von Päpsten, Kar-
dinalen und Vischöfen, und unter Anderen auch von Aeneas
Sylvius Piccolomini, Papst Pius II. bereichert worden.
Damit wurde hier Zugleich eine Pfarre errichtet, die sich
bis ;u einer Propste» erhob, die aber gegenwärtig wieder auf-
gelöst ist.
Am ersten Sonntage nach Ostern, oft noch unter Schnee-
gestöber, findet hier der feierlichste Gottesdienst im Jahre Statt,
wobei eine große Menge Menschen in Procesfioncn von nah
und ferne herbeikommen. Die Kirche ist klein, aber niedlich
und im golhischen Stl'lc gebaut. Der Thurm, in derselben
Form wie der Stephansthurm in Wien und von demselben
Meister (Georg Hauser aus Klosterneuburg) ausgeführt, ge-
reickt derselben zur vorzüglichsten Zierde. Noch prangt am
Hochaltäre, von Engeln getragen, das uralte Marienbild, aber
das seltsame Kren; ist verschwunden, obgleich Wandgemälde
noch die Sage verkünden. <5ine Ningmauer umgibt das Kirch-
lcin, hart daran stoßen mehre Gebäude, darunter auch die ge-
genwärtig verlassene Prcpstci. Vom bedeckten Gange derselben
genießt man eine der reitendsten Ansichten des Thales von
Gradwein und der umgebenden Gebirge.
Die Cistcrcitnscr-Abtci Rcin.
In der Richtung von Nordwest, eine halbe Meile über
Straßengel hinaus, liegt der schon in der Vcneit bekannte
Marktflecken Gratwcin und kaum eine halbe Stunde Wegs
weiter das Cistercienscr-Stift Rcin. Im Hinlergrunde eines
«war rings von Vcrgcn umschlossenen, aber dennoch überaus
freundlichen Kcsselthales erhebt sich die sowol durch ihre Größe
als durch ihr Alter ausgezeichnete Abtei, ihrer Lage nach ganz
geeignet für fromme Selbstbctrachtung und Entsagung der
rauschenden Freuden der Welt.
32
back to the
book Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung"
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Title
- Grätz
- Subtitle
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Author
- Gustav Schreiner
- Publisher
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Location
- Graz
- Date
- 1843
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.55 x 20.25 cm
- Pages
- 638
- Keywords
- Graz, Steiermark, Stadt
- Categories
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918