Page - 247 - in Guido Adlers Erbe - Restitution und Erinnerung an der Universität Wien
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© 2017, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847107217 – ISBN E-Lib: 9783737007214
DerUnterstaatssekretär fürUnterrichtOttoGlöckel teiltG.A.mit, dassMana-
cordadarĂĽberinformiertwerdensoll,dasseineentsprechendeInitiativeItaliens
begrüßtwürde–Wien, 13.10.1919 [maschinschriftlich].
DerGermanistundÜbersetzerGuidoManacorda(1879–1965)warnachStudien
in Pisa, Florenz undDeutschland ab 1906 Bibliothekar an der Universitätsbi-
bliothek Catania, derenDirektor er später wurde. Ab 1911war er an derUni-
versitätsbibliothekPisa.1913wurdeerao.Prof. fürDeutscheLiteraturund1919
o. Prof. an der Universität Neapel. Während der faschistischen Herrschaft in
ItalienwurdeManacordamehrfach zuVermittlungstätigkeitenauf kulturellem
GebietzwischenItalienunddemDeutschenReichsowiezwischendemDeutschen
ReichunddemVatikanherangezogen. 1946wurdeer seinerProfessurenthoben
und war danach nur mehr publizistisch tätig. Manacorda setzte sich für die
Verbreitung der deutschen Kultur in Italien ein; u.a. ĂĽbersetzte er Goethes
„Faust“ sowieLibretti vonWagner ins Italienische.
GuidoBaccelli (1830–1916) studierteMedizinundChirurgieanderUniversität
Romundwarnach seinerPromotion1852/53ProfessoramOspedale SantoSpi-
rito, ab 1856 stellvertretender undab1862LeiterderKlinik. 1879–1900war er
mitUnterbrechungen italienischerUnterrichtsminister sowie 1901–1904 Land-
wirtschaftsminister. Als Unterrichtsminister versuchte er u.a. eine größereUn-
abhängigkeit derUniversitätenvonder staatlichenAdministrationdurchzuset-
zen sowie einemittlere Schulform (scuola complementare) einzufĂĽhren,was er
allerdings nicht umsetzen konnte.Weiters förderte er archäologische Großpro-
jektewie z.B. dieEntfernung spätererBauelementeamPantheon inRom.
Der PolitikerOttoGlöckel (1874–1935), dessenNamemit einerweitreichenden
Schulreformverbunden ist (u.a. TrennungvonSchuleundKirche, gemeinsame
Organisation des Schulwesens, Unentgeltlichkeit des Unterrichts und der Lehr-
bücher, Vereinheitlichung der Lehrerausbildung etc.) war 1918–1919 Unter-
staatssekretär für Inneres und 1919–1920 für Unterricht. Als Präsident des
Wiener Stadtschulrats konnte er inWien einen Teil seines Reformprogramms
umsetzen.
DasSchreibenG.A.swaroffensichtlicheinePrivatinitiative,zudersichwederim
Unterrichtsministeriumnoch imMinisteriumdesÄußerenAkten finden; auch
liegen für Glöckels Amtszeit als Unterstaatssekretär keine entsprechenden An-
fragen oder Anträge vor. Die vonManacorda vorgenommenen Sondierungen
mĂĽssen bereits vor 1900 stattgefunden haben, da Baccelli in diesem Zusam-
menhangalsUnterrichtsministergenanntwird.Erst1948kameszurGrĂĽndung
des Istituto ItalianodiCultura/ItalienischesKulturinstitut inWien.
Literatur:Ă–BL2, 1959;MarioCaravale (Hg.):DizionarioBiograficodegli Italiani. Bd.5.
Roma: Istituto della Enciclopedia Italiana 1963; ders., Bd. 68. Roma: Istituto della En-
ciclopedia Italiana 2007; Franz Buchegger: Otto Glöckel als Regierungsmitglied
KommentierteListeder2012/13 restituiertenArchivalienGuidoAdlers 247
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
Guido Adlers Erbe
Restitution und Erinnerung an der Universität Wien
- Title
- Guido Adlers Erbe
- Subtitle
- Restitution und Erinnerung an der Universität Wien
- Editor
- Stefan Alker-Windbichler
- Murray Hall
- Markus Stumpf
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-0721-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 316
- Keywords
- Political Science, National Socialism, Nazi-looted, musical life, provenance research, Nationalsozialismus, NS-Raub, Musikleben
- Category
- Kunst und Kultur