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Reformation
durch die Türken führte. Kurz vorher aber halle
sich der neur Lande"sherr Fcrdinand I. (1521- 1361),
der im Verlr8g \"Oll Brüssel (29. April 1521) voll sei-
nrm älleren Bruder Karl V. die Herrsehafl über die
all-öslerreichischen Länder übertragen erhallen hal-
le, mit der ständischen Opposition auseinanderzu-
setzen gehabl und im Augusl 1522 die I-Iäupler der
Bewegung (I-Ians von Puchlwim, i\Iichael von Eyzing,
l\[arlin Siebenbürger. Ilans Rinner. Siefan Sehlag-
infhYcil. F1·iedrich Picseh, ;\[arlin Flaschner und
Hans Schwarz) zu Wiener-Neusladl hinrichten las-
sen. Die slänclische Opposition aber wm· es, die
durch das ganze 16. Jahrhundert dem evangelischen
Glauben zuneigte, und so verbanden sich hier - im
Gegensalz zu den Ländern, in denen das Fürslenlum
sich de1· neuen Lehre anschloß, - die Interessen der
Habsburger mit denen der al len Kirche. Im übrigen
wm· die Enl\Yicklung auch außerhalb Osterreichs
über die Köpfl' der Prediger des neuen Glaubens hin-
weggegangen und i\Im~lin Lulher halle sich nach
dem blutigen .-\usgang der Bauernkriege (siehe Slich-
worl Bauernkriege) veranlaßt gesehen, sich dem
Landesfürstentum in die Arme zu werfen. Luthers
persönliche Religiosiliil wird heule von niemandem
mehr geleugnrl. Der spanische Dominikanermönch
Quinoncs billigte noch 1520 während seines Aufenl-
halll's in Deutschland Lulhe1·s Tun "zum größten
Teil" und "ar von seinen Schriften "höehsllich und
über die Maßen erf1·eul". Der Augsburger Do-
minikaner Joh::um Fabcr war davon überzeugt,
.,Lulher sei zu Beginn des Slrciles von frommem
Eifet· und Liebe zur chrisllichcn Religion gelrieben
worrlen". Das. Bild änderte sich späler, und viele,
die ihn zuerst als Ernl'uerer der katholischen Kir-
c!·c h•grüßl hallen, \vandlcn sich ;-on ihm ab: dar-
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Das Handbuch des Österreichers
- Title
- Das Handbuch des Österreichers
- Editor
- Ernst Görlich
- Publisher
- Österreichischer Kulturverlag
- Location
- Salzburg
- Date
- 1949
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 8.1 x 12.1 cm
- Pages
- 376