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Staatsmänne["
1931). Wir Lun damit nicht mehr, als was den Schwei-
zern, unseren Nachbarn im vVeslen, seit jeher f!ine
Sei bsl vcrständlichkeil war.
Staatsmänner
Die Reihe bedeutender österreichischer Staats-
männer ist groß und wir müssen anc!1 unter ihnen
eine Auswahl treffen. Es befinden sich Feldherrn
un<l Herrscher, Gelehrte und Angehörige des Klerus
darunter. Um nicht zu weit ztu·ückzugehcn, begin-
nen wir mit Kardinal l\lelchior Kiest (1552- 1630),
der in Österreich eine Stellung einnahm, die man
mit der Richelieus und Mazarins in Frankreich
vergleichen könnte. Er war der Sohn eines evange-
lischen Bäckermeisters in Wien und wurde von dem
bekannten Jesuitenprediger P. Scherer zum katho-
lischen Glauben zurückgeführt. Später Bischof von
Wien, tat er sicl1 als einer der eifrigsten Vertreter
der l;alholischen Erneuerungsbewegung hervor. Die
Zeitumstände brachten ihn dann mit der Politik in
Berührung und der spätere Kaiser i\[allhias (1612
- 1619) ließ sich schon als Thronfolger von ihm
leiten. Allmächtiger l\'Iinisterpräsident des Kaisers,
begann Kies! eine Politik zu führen, die ihn in
Gegensatz zu dem neuen, Nachfolger des Kaisers,
dem bekannten strengkatholischen Fcrdinand II.
(1619- 1637) brachte. Im Einverständnis mit den
Gegnern des Ka•·dinals und mit der Krone Spanien
ließ Ferdinand noch bei Lebzeilen des Kaisers i\fal-
thias Klesl verhaften, nach Tirol bringen und dort
internieren. Er durfte erst spät wieder in seine Diö-
zese zurückehren, nachdem er jedem Einfluß auf
die Geschäfte e11Lsagt halle. Diese Yerschlungenen
Lebenspfade brachten es mit sich, daß ihm, der
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Das Handbuch des Österreichers
- Title
- Das Handbuch des Österreichers
- Editor
- Ernst Görlich
- Publisher
- Österreichischer Kulturverlag
- Location
- Salzburg
- Date
- 1949
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 8.1 x 12.1 cm
- Pages
- 376