Page - 350 - in Das Handbuch des Österreichers
Image of the Page - 350 -
Text of the Page - 350 -
Zentralverwaltung
se iner w irtsch a f tl ich e n Struktur die
Mögli chkeit seines·e igenst aatliche n Da-
s c i n s zu b es t r e i t c n.
Zentralverwaltung
Wenn wir hier auf' die Entwicklung der Öster-
reichischen Zentralverwallung und die Ausbildung
einer gemeinsamen Behördenorganisation zu spre-
chen kommen, so geschieht dies nicht aus fach-
wissenschaftlichen Gründen. Aber wir müssen uns
darüber klar sein, daß auch auf diesem Gebiete das
allmähliche V•l erden eines gem einsa m e n ö s t e r-
r e i ch i s c h e n Staa t s bewu ß tsein s beobach-
tet werden l<ann. Denn gem einsam es historisches
Schicksal ist einer der wesentlichsten Faktoren, der
zur Bildung eines eigenständigen Staats-, Volks- und
Nationalbewußtseins führt (siehe unter Nation). Wir
wissen natürlich, daß der moderne Begriff d!'s .,Staa-
tes" in der Zeit des Feudalismus nicht vorhanden
war, sonelern erst in der Neuzeit seine heutige Be-
deutung erhielt. Im beginnenden Fürstenabsolutis-
mus tritt er uns als Machtapparat des Herrschers
entgegen und aus ihm wird dann im 19. Jahrhundert
der bürgediche "Rechtsstaat" geboren. Dem gegen-
über pflegte man in ällcrer Zeit viel lieber von der
"res publica" (= dem Gemeinwesen) zu sprechen.
Deshalb haben wir gerade in der allmählichen Ent-
wicklung der Landeshol1eil durch den Herrscher
die Anfänge eines neuzeitlichen Staatsbewußtseins zu
erblicken: Aber dazu kommt als zweites Element
das Bewußtsein der LandeseinheiL Dieses Landes-
bewußtsein wird von den Landständen vertrclt'n. die
aus Vertretern von Adel und Geistlichkeit (die, da
es sich um die höheren Würdenträger der Kirche
350
back to the
book Das Handbuch des Österreichers"
Das Handbuch des Österreichers
- Title
- Das Handbuch des Österreichers
- Editor
- Ernst Görlich
- Publisher
- Österreichischer Kulturverlag
- Location
- Salzburg
- Date
- 1949
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 8.1 x 12.1 cm
- Pages
- 376