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Nr.148–150 295
St. Lukas-Zeche 169. – Literatur: Feil, Beiträge 259f.; Uhlirz, Gewerbe 730; Neumann,
Kleinkünste 606f.; Zatschek, Handwerk 215, 219; Egg, Seidensticker 10; Wagner, Notizen
135.
Annoa Domini etc. quadragesimo sexto an eritag sand Peter und sand Pauls abend, der
heiligenzwelifpoten,habentdieherrendes ratsb denmalern, seidennatern, schiltern, gla-
sern, goltslahern und aufdrukchern durchc irr fleissigen pet willen ain ordnung gemacht
undaufgesatzt, der si sichnu˚ furbaserhalden sullen:
[1.] Vonerstensich solkaingeistlichermalèroder saidennater, schilter, glaser, goltsla-
hernochaufdrukcherhie zumaister setzen, erpringdanneeurkund,vondannerkòmen
sey,daser sichdaselbs erberlichundfrùmklichenthaldenhabe,oderbeweisedasvordem
ratmiterbern lèuten,unddaserauchainelichhausfraunhabundpaidewonhafftpeiein-
ander sein und seine lerjar ausgedint oder darumb seim lermaister genu˚g getan hab und
burgerrecht gewinn mit aim halben pfund phennig, und geb in die zech ain Vngrischen
guldeinundbeweise seinkunstvordenmaisternseinshantwerchs,alshienachgeschriben
stet:
Von ersten ain geistlicher maler sol zùberaitten ain tafel ainer kaufelln lankch mit
brunyertem gold und sol darauf entwerffen und malen ain pild mit sein selbs hand; das
sol er tu˚n indreinwochen.
Item ain seidennater sol stechen ain pild von seiden und ain pild erheben, als das zu
perln gehòret, yedes anderhalb span lankch, und ain schilt, verwappn(et) mit aim tird,
stechenvon seiden [52v] in achttwochen.
Item ain schilter sol machen vir newe stukch mit sein selbs hand: ain stechsatl, ain
prustleder, ain rosskoph und ain stechschilt; das sol er tu˚n in acht wochen und sol auch
dasmit sein selbshandmalnkùnnen, als esherren, ritterundknechtt an invordernt.
Itemainglaser sol entwerffenundmalneinpildvonglaswerchainerkaufelln lankch,
das soldareingeprant sein,und soldas verpringen indreinwochenmit sein selbshand.
Item es sullen auch alle die, dy slechts glaswerch arbaittent und geprants werch nicht
kùnnen,alsvorbegriffenist,auchvordenmaisternbeweisen,obsidesslechtenglaswerchs
maistermùgen seinodernicht.
Itemaingoltslaher sol slahengoldundsilber,dasdie rechttpraithab,undgespunnen
arbait machen, das auch die rechtt mass hab, als von alter ist herkomen; das sol er tu˚n in
virwochen.
Item ain aufdrukcher, der erhaben oder flache ding drukchen wil, der sol das auch
erweisenundaufdrukchen, als dann solicher arbait rechtundvonalterherkòmen ist.
Welicher also sein kunst aine oder menigere weisen wil, als vorberùrt ist, der sol das
tunundmachen in solicher zeit, als vorberùrt ist,unddieselbarbait sol vondenmaistern
desselben hantwerchs beschawt werden, treulich und an gevèr, ob die gerecht, gut und
nutz sey, damit si erkennen, ob er der arbait maister mùg gesein oder nicht, und sol ein
yedeweisungbeleibender zech sandLucas, oder er lòs symit aimVngrischengulden.
[2.] Es sullen auch die maler, glaser, goltslaher, schilter, aufdrukcher under in zwen
und die seidennater auch zwen erber maister erwellen, die in der rat bestètten sol und
alle die versuhen sullen, yeder in seim hantwerch, die sich zu maister setzen wellen, ob
150 aÜber dem Text mittig von späterer Hand: Die new ordnung der maler, schilter, glaser, goltslaher,
seydennater. b H.A.-Akten68/15.Jh. folgt:der stadtWienn. c H.A.-Akten68/15.Jh. folgt:gemainsnutz.
d Fehlt inH.A.-Akten68/15.Jh.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Title
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Subtitle
- (1364–1555)
- Author
- Markus Gneiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Size
- 17.3 x 24.5 cm
- Pages
- 674
- Keywords
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen