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312 VI.2.Edition
[1.] das alle die, die gewant herfurent, es sein Chawmèr1 oder ander Welhisch ge-
want, Newnhauser2, Polanisch gewant oder was anders gewants das ist, wie das genant
ist oder von wann es gefùrt wìrt, das das die recht leng hab nach yegleicher stat sit und
gewonhait, von dann es hergefùrt wìrt. Welhs aber zu kùrtz wèr, wer das gekauft hiet,
dem sol des geltz als vil abgeen, als vil der leng an demselben tùch abget, es sey in dem
kauf ausgenomenodernicht, analles gevèr.
[2.] Man verpeut auch allermèniklich gelerten und ungelerten, in welhem wesen sy
sein, und besunderlich den juden, das sy kainerlay gewant versneiden sullen und mit der
ellenverkauffenausserhalbder zwair jarmerkcht,die jerlichenhiebegangenwerden;und
werdasubervert,denwilmandarumbpessernnachderhantvest sag,diedie laubenherren
von fùrstlicher gabdarumbhabent3.
[3.] Es mugen auch all kristenc in den egenan(ten) zwain jormerkchten gewant ver-
sneiden, als der statundder zwayrr jarmerkcht sit undgewonhait ist angever.
[4.] Und dasselb gewant, das sol weder in gassen noch an plètzen noch in hewsern
nochalswonyndertversnitenwerdendennaufderPrantstatpeysandStephanzeWienn4
oder wohin alswo derselb gewantmarkcht nach gemainem lauff gelegt wirt; und wer das
uberfert, dem wil man das gewant nemen, das nicht an demselben markt versniten wirt,
an alle gnad, derwart das die lewt alswo weder in strassen noch gassen noch auf pletzen
noch indenhewsernmitdemgewantkauffennichtbetrogenwerdent.
[5.] Es sol auch aind yegleich man, er sey burger oder gast, nùre ain hùttn haben,
darinner gewantversneid aufdemoffenmarkcht,woderhingelegtwirt.
167.
Der Bürgermeister und der Rat der Stadt Wien erteilen den Riemern auf deren Bitte eine
ErneuerungderOrdnung.
1451Mai29.
HWOBfol.67v.
Teildruck:Feil,Beiträge279;Zatschek,Handwerk197.–Literatur:Uhlirz,Gewerbe682.
Einendrungder riemergerechtikait
AnnoDominietc.quinquagesimoprimodessambstagsnachsandVrbanstaghabentmein
herren der burgermaister und rat der stat zu Wienn den riemern durch irr vleissigen pet
willen ir ordnunggepessertundgemertmitdenhernachgeschribenartikln:
c -i-korr. d ÜberderZeile von gleicherHand. e T1: newr.
166 1 Wahrscheinlich die Stadt Como im heutigen Norditalien (Lombardei), siehe dazu K
, Brenner
143.
2 Wahrscheinlich Neuhaus/Jindrˇichu˚v Hradec, Tschechische Republik; zu den regen Handelstätig-
keitenzwischenWienundMährenbzw.BöhmeninBezugaufTextilwarenundTuchevgl.M
,Handel96–
98.
3 Wahrscheinlich ist hier konkret die Urkunde für die Laubenherren gemeint, die die Herzöge Al-
brecht III.undLeopoldIII. am15.Mai1368ausgestellthaben;darinwerdendiediesebetreffendenPrivilegien
von 1288 und 1355 inseriert, vgl. dazu Regesta Habsburgica V/1, ed. L
–F
Nr.321, und siehe
obenS.21Anm.66.
4 Brandstatt, anderWestfrontderStephanskirchegelegen,begrenztvondenheutigenStraßenBrand-
stätte, Bauernmarkt und Jasomirgottstraße sowie dem Stephansplatz (Wien I). Erstmals scheint der Platz 1393
unterdiesemNamenauf, seither sinddort auchKramlädennachweisbar, vgl.P
, Straßen26f.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Title
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Subtitle
- (1364–1555)
- Author
- Markus Gneiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Size
- 17.3 x 24.5 cm
- Pages
- 674
- Keywords
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen