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Nr.199–201 347
201.
Der Bürgermeister und der Rat der Stadt Wien schlichten einen Streit zwischen den Fleisch-
hauernunddemKochKlaus.
1451September11.
HWOBfol.87r–v.
Druck:Schlager,WienerSkizzenN.F.3137.–Literatur:Uhlirz,Gewerbe698;Stolz,Nah-
rungs- undGenußmittelpolitik12.
Anno Domini millesimo quadringentesimo quinquagesimo primo an sambstag vor des
heiligen Krewtztag Exaltationis kamen fùr den rat der stat zu Wienn die erbern maister
die fleischhakcher daselbs und habent sich beclagt ùber Klausen, koch, wie der ain(en)
ochsen an ainer ungewòndlichen stat enhalb im Werd1 hab slahen lassen und den in sei-
ner kuchen verkocht hab, des er nicht recht hab gehabt und von alter auch nicht sey
herkòmen, das die kòch oder ladner in ochsen oder ander viech zu verkochen in irn ku-
chen slahen sullen lassen, ausgenomen in den gewòndlichen hùtten am Hof2, und das
hieten si auchanbrachtdemstatrichter, der imdasfleischhiet genomen.
Dawider der benant Klaus auch fùrpracht, wie im ir pèler den ochsen verkauft und
im Werd geslagen und dasselb fleisch in seiner kuchen verkocht hiet zu der zeit, als der
erwirdig geistlich vater, pru˚der Hanns de Capistrano3, und ain grosse menig volkchs pey
seinerpredighiegewesenwèrn,undmainetdes rechtunddamitwiderderfleischhakcher
gerechtikaitnicht getanhaben.
Also ist daselbs von mein(en) herren .. dem burgermaister und dem rat die sach ge-
leùttertundaufgesatztworden:
[1.] dasnu˚ furbaserkainkochnoch ladnerkainenochsennochanderviechnichtmer
sullen slahen lassen in irn kuchen oder ladnen zu vertreiben, ausgenomen in den hùtten
amHof;welherdaselbsainehat,dermag imzudenzeiten, als langdie stent,ochsenoder
ander viechwol slahen lassendarinnzuverkochen, als vonalter ist herkòmen.
[2.] Es sullen auch die fleischhakcher dhainerlay viech slachen lassen, es sey ee von
den gesworen beschawmaistern beschawt, ob das gesund und zu slahen sey, und sullen
auch irm pèler emphelhen, das er kain [87v] viech an ir wissen und unbeschawts nicht
slach indhainweisungeverlich.
Doch haben in mein herren vorbehalden, ob si furbaser emphunden, das das wider
gemainen nutz wèr, so haben si die sachen zu verkern, ze mynnern oder ze mern oder zu
setzennach irmgùtbedunkchen.
201 1 Gemeint ist hier der Untere Werd (Wien II, XX), eine Inselgruppe der nicht regulierten Donau
gegenüberdemRotenTurm.ErsteGebäudewurdenhier zwar schon imbeginnenden14.Jh. errichtet, abererst
in der ersten Hälfte des 15. Jhs. nahm die Besiedelung dieses Gebiets stetig zu; bis um 1450 wurde das Gebiet
zwischen den heutigen Straßenzügen Hollandstraße, Taborstraße und Praterstraße verbaut, vgl. C
, Lexi-
kon Wien 5 614; S
–H
–H
, Floods bes. 188; weiters H
–G
-
H
–G
–H –S
,UrbanLandsbes.198fundpassim, zur zunehmenden
UrbanisierungdesUnterenWerds abdemspäten17.Jh.
2 ZumPlatzAmHof sieheobenNr.33Anm.1.
3 Johannes von Capestrano, geb. 1386, gest. 1456. Studium des römischen und kanonischen Rechts
inPerugia.Um1417/18Priesterweiheunddanach intensivePredigt-,Vermittler-undInquisitorentätigkeit,die
ihn von 1451–1454 auch in das Gebiet nördlich der Alpen, unter anderem nach Wien und Wiener Neustadt,
führte; vgl.E ,Art. Johannes vonCapestrano887f.;W
,Art. Johannes vonCapestrano1381f.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Title
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Subtitle
- (1364–1555)
- Author
- Markus Gneiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Size
- 17.3 x 24.5 cm
- Pages
- 674
- Keywords
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen