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386 VI.2.Edition
237.
DerRat [der StadtWien] erteilt denZimmerleuten eineOrdnung.
1435August 2.
HWOBfol.116r–v.
Parallelüberlieferung: WStLA, H.A.-Akten 48/15.Jh. (von Stadtschreiber Ulrich Hirssauer
beglaubigteAbschrift).
Abbildung: Uhlirz, Gewerbe Taf. XXIX (Abschrift). – Literatur: Uhlirz, Gewerbe 725f.;
Hollnsteiner,Lehrlings- undGesellenwesen36,63.
Derzymerlewtordnunga
Anno Domini millesimo quadringentesimo tricesimo quinto des eritags vor sand Ste-
phanstag im Snit habent die herren des rats ain ordnung gemacht und gesetzt den
maisterndenzimerlewtenhie zeWienn, alshernachgeschriben stet:
[1.] Von ersten sich sol dhain zimerman hie zu maister setzen und maisterweis ar-
baitten, er bring dann ee urkund, von dann er komen sey, das er sich daselbs erberleich
und frumkleich enthalden hab, oder beweis es hie vor dem rat mit erbern lewten, und
das er auch ain eleich weib hab und burgerrecht gewinn mit ainem halben phund Wien-
ner pfenning und geb in ir zech auch ain halb phund pfennig und sol auch mit im die
gesworn zechmaister fur den rat bringen. Wann dann dieselben zechmaister vor dem rat
sprechent, das er wol maister mùg gesein, so sol er dann aufgenomen werden. Bescheh
aber, das ain maister ab dem lannd oder aus andern lannden und steten her gen Wienn
kèm und sich hie nidersetzen wolt, der sol auch ain eleich weib haben und kuntschaft
bringen, das er sich daselbs erberleich und frumkleich enthalten und sein maisterschaft
wolbewerthab,undauchburgerrechtundder zech recht gewinn, als vorgemelt ist.
[2.] Itemessolauchainyedermaisternurain(en) lerjungerhaben,dersolauchindes-
selben maisters kosst sein. Und welher seine lerjar nicht ausdient, den sol furbaser dhain
maister furdern, er tue dann seinem lermaister ee genùg und kom darumb an sein(en)
willennachderandernmaister rat.Undwanndasalsobeschehen ist, somagerdannwol
zu arbait gefurdert werden, doch sol dhain maister dem andern sein(e) gesellenb, dieweil
sy in seiner fùrdrung steen, nicht enziehen, es sey mit lehen oder mit andern sachen in
dhainerweis.
[3.] Und welher geselleb ainem maister auf sein arbait geet, der sol im ain gantze wo-
chenhinausdiennundarbaitten;wolt er imaberdarnachnicht lengeranseiner furdrung
arbaitten, so soldergeselleb demmaisterdas vor ausgangderwochenzwayr tag eewissen
lassen,damit sichdermaistermit ainemanderngesellenb furgesehenmùge.
[4.] Beschech aber, das ain geselleb an ehaftige not und an redleiche ursach ainem
maister in der wochen ab seiner arbait gieng und hiet im das vor nicht ze wissen getan,
als vorgemelt ist, so sullen dann die maister denselben gesellenb nicht aufnemen noch zu
arbait fùrdern, er kòm dann ee an seins maisters willen und begreiff sein huld darumb
nach ratder andernmaister.
[5.] Itemessullenauchdiemaisterdhainungewòndleichs furpawnichtmachennoch
pawnandes ratsurlaub.
[6.] Itemes sullenauchdiemaister ir gesellenb desmorgensundzu frustukchzeitund
zu mittag und zu untarn zu rechter zeit an die arbait bringen und des abents auch zu
237 aÜberschrift rubriziert. b AufRasur,wahrscheinlichkorr. aus knecht.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Title
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Subtitle
- (1364–1555)
- Author
- Markus Gneiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Size
- 17.3 x 24.5 cm
- Pages
- 674
- Keywords
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen