Page - 406 - in Das Wiener Handwerksordnungsbuch - (1364–1555)
Image of the Page - 406 -
Text of the Page - 406 -
406 VI.2.Edition
weisen Erharts des Griesser1 und Jacobs Straiffing2, des zingiessèr, baid des rats, die die-
tzeit von dem burgermaister und dem rat dartzu˚ geschafft und geben sein worden anno
etc.XLIIIo.
[1.] Vonerstenhabentdiemaister anpracht, wiedie geselln in irer samungundzech,
das in verporgen und unwissentlich sey, menigvelticlichen an ir wissen betracht und in
derselben irer ainygung ze arbaitten erlaubt und verpoten haben. Und wem sy die ansa-
gen,derhabdie arbaitt, undwemsyesweern,demsey es gewert etc.
Daraufwasdergesellnantwu˚rttundsprachen,das indiemaisterungùtlich tètenund
dasnyegetannochgehandelthieten,denndas sy irs lonsdagewarttund irpfennigunser
Fraungegebenhieten in irer zech, als das vonalterher gehandelt seyworden.
Dashat ain tail demanderngùtlichnachgebenund seindarumbgeaintworden.
[2.] Item als die maister in dem andern artikel irs fùrpringens vermeldent, wenn sy
der gesellen ainem gen mùl oder gen pachhaus zusprechen ze arbaitten, so kòm ir ainer
nymer zu rechtter zeit etc.
Darauf der geselln antwu˚rtt: sy westen nicht anders, wenn das sy zu rechter zeit zu
der arbait kòmen, wan solt den maistern darinn vertziehen und sawmung geschehen, sy
kundendaswolwenden.
Darumb sind sy also geaint, das die geselln nu˚ furbaser gu˚ten fleis haben sullen, das
eshinfùrnichtmergeschechundyeder gesell an sein arbait geen sol zu rechtter zeit.
[3.] Auch als die maister in dem dritten artigkl habent fùrpracht, wie der geselln kai-
ner ir ainemdermaister longehaissenwelle zuaimzueknecht,derachtundzwaintzigoder
dreissig taig ainwochenpachenwelle etc.
Darauf stund der geselln antwu˚rtt, das sy des nye widersprochen hieten und wol
dartzu˚ kòmenwèrundnochgeschèch,das syvirtzigoder fùnftzig taig anainenzuknecht
heten gepachen. Aber notdu˚rfft wèr, das man in ainen zuknecht hielt, dadurch das daz
protklainundmitwenig leùtenpaldverderbtwèr, so sol esdannainhelfferbetzaln.Solt
das also geschehen, mòchtt man lautter vernemen, das daz nicht tauglich, auch armer
gesellnverderbenundzu swèrwèr.
Darumb sind sy also geaint, das sich die geselln verwilligt habent, das sy zwenund-
dreissig taigpachenwellent anain(en) zueknecht,wan seinnotgeschiecht.
[4.] Itemalsdiemaister fùrprachthabent,wenn ir ainerdreinknechtenzusprechgen
mùl, so seyderselbenmaistermaynung,dasdiegesellnpeydemgu˚tbeleiben sullen,untz
das es zuhauff kòm.
Darauf ist der geselln antwu˚rtt, das daz wasser ye klain wirt. Solt ainer dann darauf
wartten,deskèmergar zu schaden,dartzu˚prèchyeainpekchainemseingerechtikait ab.
Darumb arbaittieten sy ainem lieber, der in ir gerechtikait gèb, wenn ainem, der in die
entzùgetc.
Das habent die maister den geselln nachgeben: Wan das wasser an der mùl abget, so
magderknechtwol verrer gewerbgehaben.
[5.] Auch als die maister fùrgebent, wan sy den geselln zusprechen, zuhauff zu peu-
teln, so sullen synicht lonversagen.
255 1 Erhart Griesser, gest. 1445, Ratsherr 1442–1445, auch Kammerschreiber 1428–1431 und Keller-
schreiber1432,1434–1437, vonBerufSchreiberundKaufmann, vgl.P
,Ratsbürger204Nr.232.
2 Jakob Straiffing, gest. um 1450/51, Ratsherr 1437–1439, 1441–1444, von Beruf Zinngießer, vgl.
P
,Ratsbürger250Nr.494.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Title
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Subtitle
- (1364–1555)
- Author
- Markus Gneiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Size
- 17.3 x 24.5 cm
- Pages
- 674
- Keywords
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen