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456 VI.2.Edition
[8.] Itemesmùgenauchdiewolweber selberaigenremundkùmphhaben,desgleichs
die tuchberaiter auch stùl setzen und tùch darinn wurchen lassen und gesellen setzen in
allermass als diewolweber.
[9.] Item es sol auch ain yeder maister nicht mer dann zwen lerjunger haben untein-
ander.
[10.] Item es sol auch kain maister kain weiss garn swartz verben, aber ain grabs garn
magainyedermaister selbswol swartz verbenoder verben lassen.
[11.] Und sol auch nyemands sòlhe tùcher machen oder machen lassen dann die
maister, die das recht haben, und kain maister sol kain garn fùrkauffen, nùr allain was er
des zu seinernotdurft bedorff und selbs verarbait getrewlichundungeverlich.
Auch hat im der rat ganntzen gwalt vorbehalten, die gegenburtig ordnung zu verke-
ren, zumynnern, zumerenodergenntzlichzuvernichtenundabtzethùn,wie,wannund
als offt sydes verlust an irrunggetrewlichundungeverlich.
299.
DerRatderStadtWien erteilt denNadlergesellenaufderenBitte eineOrdnung.
1479April 17.
HWOBfol.166r–v.
Literatur:Uhlirz,Gewerbe664;Hollnsteiner,Lehrlings- undGesellenwesen100;Opll,Zeit-
verständnis 43Anm.25;Prochaska, Schmiedehandwerk301.
Annoa Domini tausentvierhundertb und in dem newnundsibntzigistn jarn an sambstag
vordemsuntagQuasimodogenitibeyzeitendesedln,vestn rittersherrnLarenntzenHai-
den, burgermaisters, habennd die herren des rats der stat hie zu Wienn den nadlergeseln
gemainclichen ain ordnung irs hanndtwerchs durch irer vleissigen bete willn aufgesatzt,
als hernachgeschribn stet:
[1.] Von erst welher nadlergesell her gen Wienn kèm und ettlich zeit hie gearbaitt
hiet, ob Got uber in verhennget krannkhait und daz er sich selber mit gellt, gwanndt
oder anndern phanndten nicht hiet auszuhalten, dem sol man zu hilf und staten komen
aus der gesellnpùchsen, als verr man daz vermag, doch daz derselb den nadlergeselln ge-
mainmithanndtgelobtentrewenversprechnsol,ob imGotwiderumbzuseinemgesundt
hilff, solh hilff und lehen erberlich unnd treulich wider zu keren an alle widerred auf daz
schirist, so ermag.
[2.] Und ob Got uber ain(en) solhn verhennget, daz er mit tod abgienng, so sol man
in helffen bestatten zu der erden mit sein selbs gùt, ob er so vil hinder im lassn. Hat er
aber so vil nicht lassen, so sol man so vil nemen aus der gesellnpùchsen. Es sol auch ain
yeder nadlergesell mit der leich geen an alln auszug. Welher des nicht tèt, der ist den
gesellnvervalln indie zech zwayphundtwachs anallesnachlassen.
[3.] Item ob sich auch begèb, daz kain nadlergesell hie wèr oder ainer, zwen oder ett-
lich mer, den sol man nicht vertrawen uber den brief und ùber die pùchsn, sunder die
maister sullnundmùgnsichdesunderwindn, so lannguntz irmerherkomen,denzuver-
trawen sey.Eswerdann,dazc aineroder zwennadlergesellenhieweren,die also erkanntt
und den maistern also genugsam darumb weren, denselben mugen die maister brief und
299 aÜber dem gesamten Eintrag mittig von späterer Hand: Von nadlern. Siehe dazu oben S.67. b t- korr. aus
etc. c ÜberderZeile vonwahrscheinlich gleicherHandmitVerweiszeichen eingefügt.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Title
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Subtitle
- (1364–1555)
- Author
- Markus Gneiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Size
- 17.3 x 24.5 cm
- Pages
- 674
- Keywords
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen