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Nr.323–324 493
gehallten unnd gehanndelt werde und zu merer becrefftigung dise ordnung in ir statord-
nungpùch haissen einschreiben, doch im vorbehallten, solch fùrnemen unnd ordnung
kùnfftigklich nach gelegenhait der zeit unnd wesens zu mynnern, zu meren oder gar ab-
zuthùnnachaines rats gevallene.
324.
Bürgermeister Wolfgang Rieder und der Rat der Stadt Wien schlichten einen Streit zwischen
denLederernunddenSchusternund erteilen ihnen eineOrdnung.
1509März13.
HWOBfol.192r–v.
Regest:Otruba–Sagoschen,Gerberzünfte181.–Literatur:Uhlirz,Gewerbe679.
Der ledrerunnd schuesterordnung
Anno Domini etc. quingentesimo nono des eritags nach dem suntag Oculi in der Vass-
tennhabenndieherrnherWolfganngRieder, zwdenzeitenburgermaister,unndder rate
gemainderstatWienndurchgemainesnutzswillenunndawfnemungbederhanndtwerch
der ledrer unnd schuester nach verhòr irer zwitrecht, so sy gegeneinannder gehabt, dise
hernachvolgenndeordnungawfgesatztunndgemacht:
[1.] Von erst die ledrer sùllen die ochsen, khue unnd annder heùt dermassen wie
von allter herkhumen nutzlich unnd notdurftiklich wurchen, awch die schuester mit
dem weissen leder unnd annderm, dardurch sy es bey inen zw khawffen finnden, nit
gesambt lassen sein. Wo sy aber ubrigs leder hietten, das sy bey den schuestern hie nicht
verkhawffen mòchten, das mugen sy anndern awsserhalb der stat wol verkhawffen, awch
allennthalben hie unnd annderswo bey den fleischhakhern unnd anndern irenn pessten
vleis furkheren,damitdie statan ledernichtgesàmbtsey;wer inenaberynndertdarinnen
onpillich irrung thuen wurde, solhs burgermaister unnd rate anzebrinngen, die alsdann
nachpillikaitdarinnenhanndlnwerden,das sydie schuestermitkawfdes leders schidlich
halltenunndnitùberschatzenn.
[2.] Mit den stirlingen, òrlingen unnd swànntzn der hewt sol es wie von alter her-
khumengehalltenwerdenunnddieselbenabschnitden ledrerkhnechtenzuesteen.
[3.] Der ledrer zech- unnd beschawmaistern zù bevelhen, das sy die beschaw unnder
inenhallten,wie sichgebùrt,unndwassyunnder inenonrechterarbaitfinden,deshalben
fur burgermaister, richter unnd rate ze bringen unnd damit niemannt ùberzehelfen bey
vermeidungmerkhlicher straff.
[4.] Dengeyfleischakhernzwsagen,dassy ireochsennheùtdenledrernhereinauchzu
verkhawffenbringen,alsdannvonallterherkhumenist.Wosyaberdesnit thuenwurden,
das sy dann kain fleisch zu verkhawffen herein fuèren. Desgleichen den fleischakhern hie
auchze sagen, irehewtden ledrernhieunndnicht awsder stat zugebenn.
[5.] Wo die ledrer unnd schuester auf ainen markht khumen, so sollenn die schues-
ter den vorkhawf haben; wo aber die schuester da nicht weren, so mògen die ledrer das
gemacht lederwolkhawffen.
e BGBdarunter: SteffanVorchtnawer,doctorbeder rechten, statschreiber zuWienn.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Title
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Subtitle
- (1364–1555)
- Author
- Markus Gneiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Size
- 17.3 x 24.5 cm
- Pages
- 674
- Keywords
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen