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Nr.331–332 501
332.
Bürgermeister Hans Süß und der Rat der Stadt Wien erteilen den Ziegelmachern auf deren
Bitte eineOrdnung.
1516April 29.
HWOBfol.198r–v.
Literatur:Uhlirz,Gewerbe627,725.
Zieglmacherordnung
Anno Domini etc. quingentesimo sexto decimo des eritags nach sannd Gòrgentag, des
heiligen marterer, haben die herrn her Hanns Suess, zu denn czeiten burgermaister, und
der rate gemain der stat Wienn von gemains nutz und guter ordnung aufnemens wegen
den zieglmachern auf ir unndertenig und fleissig bete ain ordnung ires hanntwerchs, wie
nun hinfur in demselben gehanndlt und das geùbet werden sol, gemacht und aufgesatzt,
wiehernachvolgt:
[1.] Erstlichdasallwegawsderbruderschafftzwenbrùdergesatzt sùllenwerden,wann
ain zieglmacherherkomet,das er sichdenselbenzwayenbrudernansag, zuwelhemziegl-
herrn er begere oder welher sein notdùrftig sey, zu demselben sùllen sy in fùrdern. Und
soderselb zieglmacherdreyodervier tagungeverlichhiegearbaitt, so sol er zudens(elb)n
zwayenbrùderngeen, sich lasseneinschreibenindiebruderschaftunddavongebnXXIIII
unddemschreiber zwenphening,unddarnachzuyederquottemerVIIphening.Welher
aberdas veracht, sol vonderbruderschafft unnd irer arbait gesùnndertwerden.
[2.] Und wann sy zu quottemerzeiten begeenuss, opffer, seelambt, balaittung der
leich, auch zu dem umbganng an Gotsleichnambstag oder in annderr der bruderschaft
notdurfft ansagen, welcher dann on redlich ursach aus verachtung und ungehorsam
aussen belib, den sol die bruderschaft umb ain halb phund wachs mer oder mynnder
ungeverlich,darnacher verschuldet, straffen.
[3.] Wo ainer nicht erberlich abgeschaiden, nicht eelich geboren, ain unerbers mail
an imhiet, aufderunee sèss, seinemherrnoder jenmanndes annderemgeltoder annders
wegtrùg und entfrembdet, seinem herrn in dem jar aus dem dienst gieng, ain zieglherr
demanndernseingesinndeabwùrbeoderaufredet,auchainerdemannderninderwerch-
statoder sunst etwasennttrùge,dieselbenseinawsderbruderschaftundvondannwegze
schaffenundnichtze fùrdern.Woauchsolich lewtdermassenoder inunwillenwegschai-
den, sol inen ir misshanndlung nachgeschriben, damit dieselben an anndern orten auch
nicht gefùrdertwerden.
[4.] Essùllenauchdiezieglherrnsetzenvierbeschawmaister, ainenvondenmawrern,
ainen von den ziegldekhern und zwen von der bruderschaft zieglmacherhanntwerchs,
dies(elbe)n vier sùlln alle arbait beschawen. Und wo sy falsch, ungebrennt mewr oder
[198v] ausgestochen ziegl und dergleichen betrieglich arbait befunden, die sullen sy ai-
nem rate ansagen; und die so solich falsch, betrieglich und ungerecht arbait gemacht,
sùllen nach erkanntnùss des rats darumb gestrafft, auf das unfleis der arbait bisher be-
schehen,darawsvil schadenentstannden, vermitenwerde.
[5.] Mon sol auch an dem suntag und hochtzeitlichen tàgen nicht ziegl setzen noch
annder arbait thuen, die mon an den werchtagen wol gethuen mag, es wer dann eehaft
notverhannden, somaganheiligentagensolicharbaitnachsinngzeyt [gemachtwerden].
Doch hat im ain rat dise obgeschribne ordnung ze meren, ze mynndern oder gar
abzenemenhierinngenntzlichvorbehalten.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Title
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Subtitle
- (1364–1555)
- Author
- Markus Gneiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Size
- 17.3 x 24.5 cm
- Pages
- 674
- Keywords
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen