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506 VI.2.Edition
gewerdt mòcht werden, baten demnach mit allem vleyss die ersamen, fursichtigen und
hochweisen herrn Hannsen Suessen, derzeit burgermaister, und den rate, das sy in ain
ordnung zusambt der alten aufrichten und geben wolten, damit der gemain nutz und
aufnemen bemellter bruederschafft und zech zu guetem gefurdert wurde; haben di be-
nannten herrn burgermaister und rate angesehen ir zimlich und fleissig gebete, damit
auchsolchordnungzuaufnemunggemainsnutzundirerbruederschafft raiche,und inen
diseordnungmitsambtireralltenordnungundrechtgebenundbestèt,wiehernachvolgt:
[a] [1.] Vonerstdazainyèder, es sey frawoderman, sodenhanndlanoffemmarckht
oder in làdnen oder an anndern ennden in der stat oder in den vorsstetten uben unnd
treiben, in irer zech unnd bruderschafft sein sòllen unnd, so ansleg oder robatt auf den
hanndl beschehen in veld oder in annder weg, darinn mitainannder leiden, yeder nach
seinemvermugen.Wòlhsolhenhanndl treibenanoffennplètzenoder làdnenodersonnst
in iren herbergen und stèt wonung hie haben und irer zech und bruederschafft gerech-
tigkhaitnichthieten,denenmugensy irephenbertaufhebenundzuainemburgermaister
bringen, alsdann soll burgermaistermitsambtainemratedarinnwaspillich isthanndlen.
Es soll auch ain yeder, der sich des hanndels betregt, burgerrecht gewynnen und darumb
vorburgermaisterund rate swèren, als vonallterherkomen ist.
[2.] Item ire zechmaister sullen das fèndl an den margkhttègen ze morgenns frue
aufstegkhen und also durch sy im sumer von sannd Jorgentag [24. April] bis auf sannd
Michaelstag [29.September] bisaufachtur, aberzuwintterszeitenvonsanndMichaelstag
bis hinwider auf sannd Gòrgentag unntzt [201v] auf die newndt stund aufgestegkht und
abgenomen werden. Sy sullen auch an den margkhttègen ee man das fèndel abnymbt,
dergleichen die auswenndigen fragner, als die von Newnburg2, Nusdorff3, Grinntzing4
und alle die ausserhalb der stat Wienn unnderm gepurg5 und anndern ennden gesessen
undwonhafft sein,nichtskawffennochauchanannderntègennichts furkhawffen, sonn-
der ain yeden sein gut unnder die gemain an den plètzen hingeben lassen, damit armer
und reicher zu khawffen fynnden und durch den furkhawff nit beswert werden. So man
aber das fèndl an den margkhttègen abgenomen, alsdann mugen sy dergleichen die aus-
wenndigen fragner auch khawffen, doch beschaidenlich die phenwerd an dem margkht
nit vertewrenundden lewtenwiderumbaingleichsphenbert geben.
[3.] Item das sy auch nu furan kàss und smaltz auswegen, ain phund smaltz umb
zehen phening unnd ain phund der guten Behemischen kàss umb acht phening, aber
der gemainen kàss sullen sy ain phund umb funf phenning geben. Sy sullen auch beder-
lay halb phund, vierdung und phenwert geben, doch das smaltz den vierdung umb drey
pheningunnddas auchdrewphenbert ainvierdungwegen.
[4.] Itemdieauslennder, sokàs, smaltz, ayroderanndersdergleichenphenbertherein
in die stat zu verkhawffen fueren, sullen nu furan auf der echss an offen plètzen unnd
gassen faylhabenunndnichthaimlichnoch indenhewsernhingebenunndverkhawffen
nochdieselbenhienichteinsetzen, sonnderwosydieuberdendritten tagalsooffennlich
nichthingebenmugen,dassydieselbenirephenbertainemodermerburgerundburgerin
2 Klosterneuburg,VBTulln,NÖ.
3 ZuNussdorf sieheobenNr.229Anm.3.
4 ZuGrinzing sieheobenNr.229Anm.2.
5 Gemeint ist hier das Gebiet (Viertel) unter dem Wienerwald, heute NÖ, vgl. O
, Eisenbuch 34,
156.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Title
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Subtitle
- (1364–1555)
- Author
- Markus Gneiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Size
- 17.3 x 24.5 cm
- Pages
- 674
- Keywords
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen