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534 VI.2.Edition
[4.] Es sol auch kain man, der annderer arbait phlegt dann der unnsern, es sein zy-
merlewt,pekhen,paderoderwelicherlayarbaitoderhanndwerchdas ist,unnsershanndls
und arbait nicht phlegen noch treiben, es sey dann, das er sich der anndern arbait und
hanndwerchs, des er sich ee gebraucht hat, entschlahe oder abthue und furbaser allain
unsserer arbait phlege. Alsdann sol und mag er unnser arbait und den flòtzerhanndl wie
unnser ainer, als sichgeburt,wol treybenunddesgebrauchen.Wolt er sichaberder ann-
dern arbait oder hanndwerchs nicht entschlahen und abthun, so sol er unnser arbait und
den flòtzerhanndl faren lassen. Wer sich des [223r] daruberb unnderwend und dawider
thàtt,der istdemrichterverfallenzwenundsibentzigpheningzuwanndlnachyedemmal,
alsofft erdasuberfert.Undwermitdenflòtzernoder steckhenklewbernseinwell,der sol
auchmit in leyden.
[5.] Wer auch der ist, der herfert von Steyer2 oder anndern walden, sweylln oder la-
stetten, der sol nicht mer von zymerholtz austragen vom wasser an das lannd dann allain
das ain man getragen mag ungeverlich. Es wàr dann, das in etwo eehaffte not als eys-
guß oder annder merklich ursachen darzue dryngen, alsdann sol und mag er sein hab
ausbringenundrètten, sopesst er kan,undmiteinannderhingeben.
[6.] Es ist auch von allter unnser recht, das kain gast niderhalb Wienn in kain lastat
holtz legen sol, ausgenomen zu den zwayn kirchtàgen zu sannd Petronelltag [31. Mai]
zu Haynburg3, da hat yederman recht hinzefaren wer da wil, ob im des mein herren die
burger gònnen.
[7.] So ist auch von allter herkhomen und unnser der flòtzer recht, das kain flòtzer,
der hie gesessen ist, mit kainem gasst nicht gemainschafft sol haben auf unnserer arbait.
Wer es daruber thuet haimleich oder offennlich, als offt er das ùberfert, so ist er dem
richter zuwanndl verfallen zwenundsibentzigphening.
[8.] Wir haben auch von allter das recht, das der statrichter alle jar in Phingstfeyer-
tagen an dem rechten sitzen sol in der Schefstrass vor dem Stubmhawß4, als von allter
herkhomen ist, und sol da alle unnsere recht verhòrn, und wir sollen jarlich da melden
unnsere rechtundalltherkhomen.Darnach, soeralsoandemrechtengesessen ist, sollen
wir im sein steken widerfaren lassen. Und sol auch [223v] der anslag umb dieselbigen
stekhenvordemhawßoderdarinnbeschehen.
[9.] Es ist auch unnser recht von allter herkomen, das kain gast von Hungern ferrer
farn sol nach holtz dann her [gen] Wienn, und sol er auch annderstwo nynndert kauffen
dann hie. Wer das ùberfert, den sollen die herren des rats darumb puessen, wie sew recht
bedungkht.
[10.] Auch ist von allter unnser recht, das kainer unnserer arbait phlegen sol, er hab
dann ain eeliche hausfraw. Und mag man unns auch nit nòtten yemands ainen tail zu
lassen, erhabdanneeunnser zechgewunnen.
[11.] Werauchder ist,derunnsunnserhabdiepleichenenntphùrt,es seybeytagoder
bey nacht, das zwaier phening werd ist, den sol der richter vèssen und mit dem rechten
ùberfaren on all unnser mue und schèden. Und darumb sein wir dem richter phlichtig
zu geben alle jar dreyssigtawsennt stekhen. Und wer auch der ist unnder unns, der ainen
b Foliierung springt von221v auf223r.
2 Steyr, Statutarstadt,OÖ.
3 Hainburga.d.Donau,VBBrucka.d.Leitha,NÖ.
4 ZurScheffstraße sieheobenNr.176Anm.2.
Das Wiener Handwerksordnungsbuch
(1364–1555)
- Title
- Das Wiener Handwerksordnungsbuch
- Subtitle
- (1364–1555)
- Author
- Markus Gneiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20418-3
- Size
- 17.3 x 24.5 cm
- Pages
- 674
- Keywords
- Late Medieval Vienna, Craft ordinances, Craftsmen, Late Medieval Urban Administration, Commented Edition, Wien im Spätmittelalter, Handwerksordnungen, Handwerker, Spätmittelalterliche Stadtverwaltung, Kommentierte Edition
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen