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Deontologie —
Deontologie (Lehre vom vom Seinsollenden): Pflichtenlehre,
Ethik als Lehre von den besten Mitteln zur Sittlichkeit, zur Erreichung
so bei J. BENTHAM, Deontology or the Science of Morality, ed. by
Bowring, 1834; deutsch 1835).
Dependenz: Abhängigkeit (s. d.).
Depersonalisation heißt der zuweilen eintretende Zustand, in welchem
der Gegensatz von Ich und verschwunden zu sein scheint und alles Wahr-
genommene als fremd, als eine Art Traum erscheint. Vgl. Zeitschr.
f. Psychol., 36. Bd., S. 321; DESSOIR, Das Unterbewußtsein, 1909, S. 5;
K. OESTERREICH, Die Phänomenologie des Ich, 1910 f.
Depression: Gedrücktheit, Herabstimmung der psychischen Energie,
insbesondere des Gemütes, der Gefühlserregbarkeit, besonders im Gefolge ge-
wisser Affekte (Kummer usw.) und in der Melancholie. Gegensatz:
tion, Gehobenheit, Erregung, Überschwang der Gefühle; oft von einer De-
pression gefolgt. Vgl. WUNDT, Grundr. d. Psychol.5, 1900, S. 325 ff.; HELL-
PACH, Grenzwissensch. d. Psychol., 1903, S. 328 f. Vgl. Gefühl, Affekt.
Beschreibung (s. d.). Deskriptiv s. Psychologie.
Deszendenztheorie (Abstammungslehre) s. Entwicklung. Eine
zendenztheorie, eine Theorie der Höherentwicklung gibt R. GOLDSCHEID,
und Menschenökonomie, I, 1911. Vgl. Eugenik, Übermensch,
Rasse.
Determination (determinatio, Begrenzung, Bestimmung
(s.d.) bedeutet die Einengung eines durch Erweiterung
des Begriffsinhalts, wodurch man von allgemeineren zu weniger allgemeinen,
von Gattungs- zu Artbegriffen gelangt; die Synthese allgemeiner Begriffe zu
besonderen (vgl. ARISTOTELES, Anal. post. I 27, 87 a 34 f.; UEBERWEG, System
d. Logik, 1882, § 52; WUNDT, Logik II», 1907, S. 17 ff.).
Nach SPINOZA ist jede Determination eine Negation, jede Bestimmung zu-
gleich eine Ausschließung anderer Merkmale, also eine Begrenzung
determinatio est negatio", Epistol. 59). Von der unendlichen „Sub-
stanz" (s. d.) ist daher die D. ausgeschlossen. Ähnlich SCHELLING, System d.
transzendentalen Idealismus, S. 69.
Eine D. gibt es auch in bezug auf das Wollen und Handeln (s. Willens-
freiheit), wie im psychischen Leben überhaupt. Besonders spricht N. ACH von
der „Determination" bei der Reproduktion von Vorstellungen im Denken,
Handeln usw. Die „determinierende" Vorstellung wirkt auslesend, bestimmt
die Richtung des Bewußtseinsablaufs, und zwar so, daß die durch die Zielvor-
stellung in Bereitschaft gesetzten Tendenzen jene Reproduktionstendenz ver-
stärken, welcher die Bedeutung der Zielvorstellung entspricht. Unter dem
der steht die Apperzeption, und durch die im
Unbewußten wirkenden, von der Bedeutung der Zielvorstellung ausgehenden
„determinierenden Tendenzen" wird der geordnete, zielstrebige Ablauf des
geistigen Geschehens bestimmt (Über die Willenstät. u. das Denken, 1905,
S. ff.; vgl. OFFNER, Das Gedächtnis3, 1911, S. 182).
Determinismus ist die Lehre von der Determiniertheit des Handelns
und Wollens, die Bedingtheit desselben durch Beweggründe und Triebfedern
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften